Hochspannung am Wiedenhof

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Die Kuratoren Bettina Pelz und Tom Groll freuen sich über die Unterstützung durch das Team vom Wiedenhof: Alexander Schmidt, Kara Kempkens, Arne Schulz und Franz Hochschuh beteiligen sich an der Vorbereitung der LichtRouten 2013 am Standort Wiedenhof. Foto Wolfgang Teipel

 

von Wolfgang Teipel

Die Neugier beim Leitungsteam des Wiedenhofs ist groß. Was wird die Zusammenarbeit mit den LichtRouten 2013 und im speziellen mit dem polnischen Lichtkünstler Robert Sochacki dem Domizil des Freien Christlichen Jugendgemeinschaft (FCJG) bescheren? „Wir haben unsere Werte“, sagt Einrichtungsleiter Arne Schulz. Dämonenfratzen oder Ähnliches – das geht nicht. Ob Robert Sochacki in Lüdenscheid tatsächlich ausschließlich Gottgefälliges zeigen wird?  Bettina Pelz und Tom Groll, die beiden Kuratoren des großen Lichtkunstforums vom 27. September bis 6. Oktober, müssen die FCJG-Leute noch um Geduld bitten. „Wir wissen es selbst noch nicht.“

Pinup-Girls und Kunst

Robert Sochacki ist allerdings nicht dafür bekannt, dass er die Werte anderer missachtet, auch wenn das ein oder andere Mal ein leicht bekleidetes Pinup-Girl in seinen Installationen erscheint. Den Mail-Kontakt zwischen dem Wiedenhof-Team und dem polnischen Künstler will Bettina Pelz aber gern herstellen. Arne Schulz und seine Leute wollen auf Nummer sicher gehen. Schließlich wird der Mann aus Danzig die komplette Fassade des soeben renovierten Gebäudes bespielen.

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Robert Sochacki bespielt die Fassade des Wiedenhofs.

 

An der Bahnhofstraße kommt während der LichtRouten 2013 durchaus Historisches zusammen. Die Geschichte des Wiedenhofs ist eng mit der Historie Lüdenscheids verknüpft. Sie reicht bis in 9. oder 10. Jahrhundert zurück. 1067 wurde der Pfarrgrund Wiedenhof erstmals urkundlich erwähnt. Er diente als wirtschaftliche Grundlage für die Pfarrei, die ohne ihn nicht existieren konnte. Unter anderem wurden Obst und Gemüse angebaut. Einen starken historischen Bezug haben auch die Arbeiten von Robert Sochacki.

Videoperformances, Installationen und Interventionen, Kostüm- und Bühnenbilder sind Teil seiner vielfältigen künstlerischen Praxis. Seine Installationen erinnern an Kinofilme aus den 1920er Jahren. „Robert Sochacki nutzt eine sehr zeitgemäße Technik und greift in seinen Arbeiten eine historische Ästhetik auf“, sagt Kuratorin Bettina Pelz.  Als Projektionsgrund nutzt er gern historische Fassaden.

Volksküche, Lazarett und Hospiz

Vor diesem Hintergrund wird klar: Robert Sochacki und der Wiedenhof – das passt. So, wie sich die Lichtkunst vom gemalten Bild über das Foto sowie den Film bis zum Video immer weiter entwickelt hat, so hat sich auch der Wiedenhof ständig gewandelt. Am Standort des ehemaligen Pfarrgrunds wurde im August 1889 ein evangelisches Vereinshaus eröffnet. Es diente außerdem als Herberge. Außerdem befand sich eine Volksküche im Haus. 1909 ging das Haus direkt in den Besitz der evangelischen Gemeinde über.

Während des Ersten Weltkrieges diente der Wiedenhof drei  Jahre lang als Lazarett. 1937 wurde im ehemaligen Vereinshaus ein Christliches Hospiz (preiswerte Unterkunft) mit Gaststätten- und Hotelbetrieb eingerichtet. 1938 erhielt das Hospiz vom Presbyterium offiziell den Namen “Wiedenhof” um die alte Bezeichnung des Ortes zu erhalten. Das Hospiz wurde bis zum Jahr 1975 geführt. 1977 wurde das Gebäude der Freien Christlichen Jugendgemeinschaft für die Rehabilitationsarbeit mit Drogenabhängigen überlassen und später verkauft.

Kampf gegen Drogen

Seitdem wurden fortlaufend Sanierungsmaßnahmen durchgeführt, zuletzt am Dach und der Fassade. Derzeit sind in der Einrichtung 22 Therapieplätze belegt. Im Laufe der 30-jährigen Therapiearbeit haben über 1000 Klienten die Drogenrehabilitation des Wiedenhofs durchlaufen.

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