Ein Künstler mit großen Träumen

Alle Zeichen stehen auf Sturm: Heftige Böen, Windstärke 8, rütteln in der Nacht zum 11. September an Helfern und Ausrüstung. Bei schwerem Wetter machen sich 180 Bundeswehrsoldaten, ein
Team aus Wissenschaftlern und Assistenten und ein Künstler im
Steigflug seiner internationalen Karriere an die Vorbereitung einer monumentalen Himmelsskulptur. ZERO – Künstler Otto Piene ist beauftragt, zur Abschlussfeier der Olympischen Spiele 1972 in München einen gigantischen leuchtenden Regenbogen aus
fünf 470 Meter langen, heliumgefüllten Polyäthylenschläuchen über dem Stadion aufsteigen zu lassen.

Das Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon blickt in seiner aktuellen Ausstellung „Otto Piene. A Better World“ zurück auf dieses und weitere wegweisende Sky Art Projekte des deutschen Lichtkunstpioniers. Die Ausstellung ist noch bis zum 4. April zu sehen.
Visionäre Konzepte in der Sky Art
Erstmals richtet das Haus den Fokus auf die visionären Ideen und Konzepte, die Otto Piene sein gesamtes Schaffen hindurch verfolgte und die besonders in seiner Sky Art zum Ausdruck kommen. „Hinter Pienes Werken steht eine große Idee,“ so Kuratorin Dr. Julia Otto. „Er wollte eine Kunst entwickeln, die Licht in die Welt bringt. Eine Kunst, die Menschen verbindet. Eine Kunst, in der Mensch, Natur und Technik zu einem friedlichen Ganzen finden. Damit reicht sein Schaffen weit über den eigentlichen Kunstkontext hinaus.“
In Film, Fotografie und Augenzeugenberichten – unter anderem von Hannovers ehemaligem Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg –

gibt die Ausstellung Einblicke in Entstehungsprozess und Wirkung ausgewählter Sky Art Events.

 

Für das Kunstmuseum Celle schuf Otto Piene die Skultur „Feuerwerk für Celle“. Foto: Julia Otto

ZERO-Manifest „Wege ins Paradies“
Auch die beiden ersten norddeutschen Sky Art Events, die Piene 2001 in Hannover und Celle durchführte, gehören dazu. Zugang zu den Ideen dahinter ermöglichen die 25-teilige Grafikmappe „Sky
Art“ und das Künstlerbuch „More Sky“ – beide sind ebenfalls Teil der Ausstellung. Im Rückblick zeigt sich die große Konsequenz, mit der er die in den 1960er Jahren formulierten Pläne und Konzepte verfolgte, bis zu seinem Tod im Sommer 2014. „Ja, ich träume von einer besseren Welt“, hat Piene 1961 sein ZERO-Manifest „Wege ins
Paradies“ überschrieben.
Die Ausstellung zeigt, er hat nicht nur geträumt, sondern vor
allem gehandelt. Das Projekt wird gefördert durch die VR-Stiftung der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Norddeutschland sowie durch die Hannoversche Volksbank.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.