Tag Archiv für 14. Bergkamener Lichtermarkt

Buntes Spektakel mit Lichtkunst

DSC_0169

Die „Firedancer“ begeisterterten das Publikum in der Kirche St. Elisabeth. Fotos: Wolfgang Teipel

DSC_0145

Akkordeon und Gesang, so ließ „The Royal sQueeze Box“ Hits von „Queen“ erklingen.

Wolfgang Teipel

„Kunst?“ sagt der Passant leicht zweifelnd zu seiner Frau und lässt den illuminierten City-Turm, das verkommene Wahrzeichen von Bergkamen, links liegen. Er will zum Lichtermarkt. Das wollen Tausende. Das Spektakel eine Woche vor dem kommenden Halloweenabend lockt die Massen. Der 14. Bergkamener Lichtermarkt war wie seine Vorgänger ein Riesen-Event. Ein buntes Spektakel. Lichtkunst war auch dabei.

Unterschied zu Lüdenscheid

Das ist es wohl, was die Lüdenscheider LichtRouten vom bunten Treiben in der ehemaligen Bergarbeiter-Stadt unterscheidet. Die LichtRouten stellen spektakulär die Lichtkunst für zehn Tage in den Mittelpunkt. In Bergkamen begleitet die Kunst ein Volksfest.

DSC_0128

Die Wasserleinwand von Birgit Hölmer.

Lichtermeer mit Wasserflair – so lautete in diesem Jahr das Motto. Videoperformer Jerome Krüger ließ auf den umliegenden Fassaden des Stadtmarktes reißende Bäche, mäandernde Flüsse und wogende Wellen erscheinen. Thorsten Trelenberg hat sich im Rahmen seiner Bereisung zu unzähligen nationalen und internationalen Gewässern einen eigenen Reim auf das nasse Element gemacht. Als Flusspoet trug er seine Lyrik des Wassers vor. Zudem konnten die Besucher im beleuchteten Stadtwald in seiner Poesie-Oase ihre ganz persönliche Auszeit nehmen und in zahllosen Gedichten stöbern. Trelenberg hatte sie wasserdicht eingeschweißt an Bäumen aufgehängt.

Stelzenläufer und Dr. Musicus

Auf dem Stadtmarkt beherrschten Imbissstände und jede Menge Läden das Geschehen. Dazwischen tauchten fantasievoll kostümierte Stelzenläufer auf – für die Besucher ein begehrtes Fotomotiv. Mittendrin Dr. Musicus. Er glitt mit einem mit 1600 Leuchtdioden bestückten Lichterkostüm über das Marktpflaster. Mit Gitarre und Mundharmonika spielteder leuchtende Sänger Evergreens und lustige Kinderlieder. Zeitgleich zündete er Feuerwerks-Fontänen und Nebelschwaden.

Touren zu den Dauer-Installationen

Zahlreiche Bergkamener nahmen auch das das Angebot des Kulturbüros an und ließen sich zu den dauerhaften Lichtinstallationen in Bergkamen chauffieren.  Dazu zählt beispielsweise die von der Künstlerin Birgit Hölmer gestaltete Wasserleinwand auf dem Platz der Partnerstädte am Bergkamener Rathaus. Hier werden auf einen Wasservorhang, der aus einer Vielzahl von etwa vier Meter hohen Wasserfontänen gebildet wird, Ansichten berühmter und weniger bekannter Brunnen aus europäischen Städten projiziert. Die Arbeit spielt mit der Dynamik wechselnder Motive und greift das Thema „Wasser und Licht“ sowie Gedanken der Städtepartnerschaft auf

DSC_0148

Gingen auf Tuchfühlung: die Besucher des 14. Bergkamener Lichtermarktes.

Etwas außerhalb auf der Lüner Höhe und an der Autobahn A2 zwischen Bergkamen und Kamen erstrahlt ein Windrad im blauen Licht. Hier hat der Dr. Ing. Horst Rellecke das nächtliche Schattendasein des Stromerzeugers beendet. Er brachte 2002 einen Farbstrahler an dem Windrad an. Rellecke ist auch der Schöpfer des Glas-Elefanten im Hammer Maxi-Park.

Start und Ziel der geführten und kostenlosen Bustouren war die St. Elisabeth-Kirche. Das Gotteshaus zog in diesem Jahr besonders viele Besucher an. In vier Vorstellungen begeisterte die Gruppe „Firedancer“ mit ihrer Show „Ein Funke springt über!“ das Publikum. „Firedancer“ verbindet Tanz mit Feuer- und Lichtjonglage zu einer brandneuen Ausdrucksform. Präzise choreographierte Tanzformationen und Paartanz zu Live-Musik entzündeten die Begeisterungsstürme der Zuschauer.

Blogger-Kollegen:

www.sesekegefluester.de

www.nordstadtblogger.de

www.rundblick-unna.de

bergkamen-infoblog.de

Licht an im toten Turm

DSC_0114

Die Künstlergruppe Osa erweckt den Bergkamener City-Turm auch am 25. und 26. Oktober noch einmal zum Leben. Fotos: Wolfgang Teipel

Wolfgang Teipel

Großer Auftritt vor dem Abriss: Der Bergkamener City-Turm wurde am Freitag und Samstag zur Projektionsfläche für die Künstlergruppe osa („office for subversive architecture“), zu Deutsch: Büro für umstürzlerische Architektur. Das 63 Meter hohe Gebäude im Herzen der Stadt wurde so zum größten Lichtkunstwerk in Europa.

Abriss im November

Am 25. (während des 14. Bergkamener Lichtermarktes von 18 bis 23 Uhr auf dem Bergkamener Stadtmarkt) und 26. Oktober wiederholt die Künstlergruppe ihr Lichtspiel (18.30 bis 24 Uhr). Das wird dann der letzte Auftritt des seit November 2000 leer stehenden Turms. Die Bauaufsicht der Stadt hatte ihn damals für unbewohnbar erklärt. Im November dieses Jahres wird die Eigentümerin den Bau mit seinen 150 Wohnungen abreißen lassen.

DSC_0044

Der Industrieroboter auf dem Parkdeck schwenkt einen Lichtstab.

Etwa 300 Bergkamener ließen sich am Freitag das Spektakel nicht entgehen. Am Samstag erschienen erneut zahlreiche Schaulustige auf dem Dach der Turmarkaden.

Erzählungen aus der Geschichte des Wohnturms

Hier waren auch die Projektoren der Künstlergruppe aufgebaut. Osa ließ an beiden Tagen Lichtstrahlen an dem Gebäude hinauf klettern. Mit Laserlicht wurden Wohnungen simuliert. Treppen und Aufzüge erschienen auf dem eigens für die Lichtinstallation schwarz gestrichenen Turm. Dazu hörten die Besucher Erinnerungen aus der Historie des Turms. Beispielsweise die tragische Geschichte eines Jungen, der von einer Feuerleiter in die Tiefe stürzte und starb.

Drogen, Alkohol und Gewalt

Mit dem City-Turm, der als Wahrzeichen von Bergkamen geplant war, verschwindet ein Schandfleck. Drogen, Alkohol, Gewalt und Prostitution haben die Geschichte des Gebäudes begleitet. Am Ende durften selbst die Sozialarbeiter das Gebäude nicht mehr allein betreten. Im November 2000 erklärte die Stadt das Gebäude für unbewohnbar. Seitdem zerfällt das Gebäude, das sich immer in privater Hand befand.

Doch nun kehrte das Leben zurück. “Wir waren fasziniert von dem Gebäude und seiner Geschichte”, sagte Katja Aßmann, künstlerische Leiterin von “Urban Lights Ruhr”, einem Projekt, das aus der Kulturhauptstadt hervorgegangen ist.

Die Künstler Karsten Huneck und Oliver Langbein haben das Kunstwerk gemeinsam mit Christoph Rodatz realisiert. Rodatz unterrichtet an der FH Dortmund und an der Ruhr-Uni Bochum. Sie haben ihrer Lichtkunstarbeit  den Titel „discharge/recharge“ (Löschen/Aufladen) gegeben. „Discharge“ nennen sie dabei das ursprüngliche Gebäude als Zeugnis einer verlorenen Utopie. „Recharge“ lässt das Hochhaus durch die Lichtlinien zu einer der größten Lichtskulpturen Deutschland werden.

DSC_0112

Auch am Samstag hielten sich zahlreiche Besucher auf dem Parkdeck der Turm-Arkaden auf.

Dazu kommt eine zweite Installation auf dem Parkdeck der Turm-Arkaden. Dort hat die Gruppe „realities:united“ einen Industrieroboter aufgebaut. Er gibt einsame Winkzeichen – tagsüber mit einer Flagge, nachts mit einem Leuchtstab. Zwischenzeitlich stemmt er auch mal eine Hantel.

Blogger-Kollegen:

www.sesekegefluester.de

www.nordstadtblogger.de

www.rundblick-unna.de

bergkamen-infoblog.de