Tag Archiv für Damrosch-Halle

Bewegte Bilder – bewegende Bilder

LR Max Sudhues

Max Sudhues bei der Arbeit: Rund einen Monat vor LichtRouten-Beginn ging der 36-Jährige in der Damrosch-Halle auf Motivsuche.

                                         von Wolfgang Teipel

Bewegte Bilder – bewegende Bilder: Kuno Seltmann hat keinen Abend des Internationalen Forums für Licht in Kunst und Design versäumt. Der 24-jährige Student der Medienwissenschaften war im Auftrag der LichtRouten-Leitung zuständig für die digitale Dokumentation. Geliefert hat er weitaus mehr als die bloße Dokumentation. Seine Clips sind selbst kleine Kunstwerke. Einen Vorgeschmack auf seine Arbeit gibt es hier.

Kuno Seltmann 3

Kuno Seltmann ist Student der Medienwissenschaft und hat für die LichtRouten-Leitung gefilmt.

Der kleine Ausschnitt auf www.lichtstadt-luedenscheid.de zeigt Bilder der Installation „Playground Love“ in einer der ehemaligen Damrosch-Lagerhallen an der Bahnhofsallee. Max Sudhues hat die Brache in den Tagen vor den LichtRouten für sich selbst in einen riesigen, dazu noch überdachten, Spielplatz verwandelt.

Sehen mit anderen Augen

Zehn Tage lang zeigte er das Gebäude so, wie er es gesehen hat – mit den Augen eines Künstlers eben. „Orte, die sich im Wandel befinden, begeistern mich“, sagt der gebürtige Münsteraner. Die Damrosch-Halle ist für ihn ein solcher Ort. Sie steht in einem Quartier, das sich im Umbruch befindet. Es ist der neue Standort des Deutschen Instituts für angewandte Lichttechnik (DIAL) und ebenso Standort für einen Ableger der Fachhochschule Südwestfalen – in den vergangenen Jahren hat sich hier einiges getan.

Meisterschüler von Timm Ulrichs

Mit 120 Dias, einigen Filmsequenzen, projiziert mit Overhead-Projektoren und Beamern hat er den aktuellen Stand des Verfalls der ehemaligen Holzhandlung dokumentiert. Orts- und raumbezogene Installationen sind die Spezialität des Meisterschülers von Timm Ulrichs. An der Kunstakademie in Münster holte er sich bei ihm das Rüstzeug für seine künstlerische Arbeit. Max Sudhues entwickelt seine Bilder mit verschiedenen Projektionsmethoden – von der Büroleuchte bis zum Beamer.

Dabei steht er ganz in der Tradition der Collage und kreiert bewegte Bilder und Räume. In ihnen bleiben die ursprünglichen Objekte sichtbar, werden aber verblassend dargestellt.

Zauberei mit Audrey und Roland

Duo Atsara 1

Atsara verzauberte das LichtRouten-Publikum in der ehemaligen Lagerhalle der Holzhandlung Damrosch. Foto: Florian Hesse

von Wolfgang Teipel

Audrey Rocher und Roland Devocelle können sich kaum von Lüdenscheid trennen. Erst am Dienstag macht sich das Lichtkunst-Duo, das sich den Namen „Atsara“ gegeben hat, auf die Heimreise. Mit dabei: Joshua. Der kleine Sohn des Paares aus Agen in Frankreich hat die LichtRouten 2013 wohl so hautnah erlebt wie kein zweites Kind.

Stirnlampe auf dem Kopf

Joshua wuselte ständig auf dem Gelände der ehemaligen Holzhandlung Damrosch herum, im Dunkeln immer eine Stirnlampe auf dem Kopf. „Damit ich immer weiß, wo er ist“, sagt Mutter Audrey Rocher. Im Dunkeln wurde Joshua so selbst zum Glühwürmchen. Damit ähnelte er ein wenig den Lichteffekten, die seine Eltern über verschlungene Drahtgebilde durch die verlassene Lagerhalle schickten.

Licht und Musik

Audrey Rocher und Roland Devocelle haben die LichtRouten-Besucher mit Musik und Licht verzaubert. Lange lag ihre Installation mit dem Titel „(M)ondes“ in der Publikumsgunst weit vorn. Bei der Vergabe des Publikumspreises landeten sie schließlich auf Platz 4.

Beide sind über Umwege zur Lichtkunst gekommen. Audrey Rocher hat eine Ausbildung zur Performerin (Clown und Tänzerin) absolviert. Roland Devocelle ist eigentlich Musiker.

Nummer 27 für Lüdenscheid

Ihre Installationen nummerieren sie durch. Der Titel besteht aus einem Wortspiel. Es lautet (M)ondes für Welt und Wellen. In Lüdenscheid ist Nummer 27. Für die Lüdenscheider Version der Installationen der Serie „[M]ondes“ haben sie eine dreiteilige Installation entwickelt. Geometrische Farb- und Formsysteme werden auf organisch-geformte Drahtgebilde projiziert.

Wo das projizierte Bild auf reflektierenden Draht trifft, wird es sichtbar, ein großer Bildanteil verschwindet in der dunklen Umgebung. Die animierten Strukturen und Systeme zerfallen in Bildausschnitte, die über das Drahtgebilde zu fließen scheinen.

Unsere LichtRoute

Die Knapper Schule als “Dancing House”. Foto: Wolfgang Teipel

 

Von Wolfgang Teipel und Florian Hesse

Noch drei Lichtnächte in Lüdenscheid, Tausende Besucher aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland haben bereits die LichtRouten 2013 gesehen und erlebt. 20 Installationen an einem Abend sind allerdings kaum zu schaffen. Der Lichtblog www.lichtstadt-luedenscheid.de versucht sich daher an dieser Stelle an einem Rundgang, der ohne Stress in knapp drei Stunden zu bewältigen sein dürfte.

Als Start empfiehlt sich die Post am Rathausplatz. An der Info-Theke im 1. OG gibt’s aktuelle Informationen, und am Platanenhain kommt man dann ohnehin nicht vorbei. Station 1: Reiner Plum, Zerfließende Räume, Laser-Installation.

Refik Andadol Stern Center

Refik Andadol, Stern Center. Foto: Florian Hesse

Nur wenige Schritte weiter, unübersehbar: Station 2. Detlef Hartung und Georg Trenz bespielen die Fassade des Allen-Hauses von zwei Seiten mit Texturen. Ein Durchlauf dauert 12 Minuten. Ganz anders wird die Fassade des Stern-Centers bearbeitet. Station 3: Refik Anadol zerlegt 16 Minuten lang die triste Betonfassade. Am besten zu sehen von der Thünentreppe aus (hinter der Zufahrt zum Parkhaus).

Einkehr am “Orchestra Inn”

Gut fünf Minuten Fußweg dauert es jetzt bis zur Station 4, dem Wiedenhof gegenüber der Polizei. „Orchestra Inn“ nennt Robert Sochacki seine Installation aus märchenhaft anmutenden Bildern und Filmzitaten vielfach aus den 20er-Jahren, angelehnt an die wechselhafte Geschichte des Hauses. Über die Ampel geht es weiter zur Station 5, den Grillen und Menschen von Amy Youngs in einem der leer stehenden Pavillons. Besucher und Insekten finden sich in ihrer Projektion auf der Wand vereint wieder.

Geheimnisvolle Klänge und Licht sind die Bestandteile der Installation des Duos Atsara in der Damrosch-Halle im hinteren Bahnhofsbereich (Station 6).

Spiel mit Klischees

Unsere Station 7 ist die Arbeit von Christoph Giradet im Kreuzungsbereich Bahnhof-/Lutherstraße. „Silberwald“ ist der Titel der Videoinstallation auf dem Parkplatz des Kunststoff-Instituts. Manchmal komisch, oft bedrückend – Silberwald ist eine Sammlung von Klischees aus dem deutschen Nachkriegs-Kino (12 Minuten, Sitzbänke vorhanden). Als Station 8 bietet sich mit wenigen Minuten Fußweg über die Lessingstraße die Knapper Schule an. Bei der interaktiven Installation greifen die Zuschauer selbst in die Fassade der Schule ein, die sich im Sekundentakt eindrucksvoll verändert. Besucher, Projektor und Bewegungsmelder bringen das „Dancing House“ tatsächlich zum Tanzen.

Abschluss mit Quayola

Nur wenige Schritte weiter über den Theodor-Schulte-Platz geht es zur Station 9 an der Nordstraße. Annica Cuppitelli und Christobal Mendoza haben die Ansicht von 201 weißen Gummibändern digitalisiert. Auch hier können Besucher über ihre Bewegungen das Verhalten der Projektion ansteuern. Die letzte Station (10) des Rundgangs findet sich im Innenhof von Gothaer-Parkhaus und Gewerkschaftshaus. In ruhigen Bildern zeigt Quayola Meisterwerke aus Kunst- und Architekturgeschichte, digital zerlegt, die die Grenzen zwischen Design und Kunst verwischen.

Kunst der leisen Töne

 

Duo Atsara

Roland Devocelle und Audrey Rocher bilden das Duo Atsara, Bradford Catler (r.) bespielt die Planeten-Installation von Jakob Mattner. Foto: Florian Hesse

Von Florian Hesse

„Das musikalische Programm zu den LichtRouten-Installationen“ – das Thema dieser Einladung lässt den termingestählten, allerdings auch kenntnisfreien Berichterstatter zunächst schaudern. Auf der Netzhaut erscheint bei geschlossenem Auge bereits die unvermeidliche Marching-Band – diesmal vielleicht mit Taschenlampen? Aber keine Angst: Musik und Lichtkunst gehen gut zusammen. Zudem ist es eine Premiere in der LichtRouten-Geschichte, wie Kuratorin Bettina Pelz sagt, die im Pressegespräch mit dem Lichtkunst-Blog drei Künstler an zwei Standorten vorstellen kann.

Das Duo Atsara mit Audrey Rocher und Roland Devocelle kommt aus Südwestfrankreich und produziert in der Damrosch-Halle auf dem Bahnhofsgelände „Töne, die sich im Raum bewegen“. Die Geräusche und Töne, die die Franzosen auf Posaune und Klarinette produzieren, haben mit Blasmusik nichts zu tun und bewegen sich an der Grenze der Hörbarkeit. Ein Gluckern, Klopfen und Zwitschern ist zu hören, Devocelle erzeugt u. a. das schöne Geräusch eines Harley-Motor, den man in der Ferne nur ahnt. Diese Klänge in der Installation „einer Wolke aus Lichtflocken“ nimmt jeder Besucher anders wahr. Zusätzliche Lautsprecher transportieren die Töne des Duos unterschiedlich stark in die frühere Halle der Holzhandlung.

Einen anderen Ansatz verfolgt Bradford Catler, der sich mit Jakob Mattner dessen ältere, für die LichtRouten überarbeitete Installation in den Räumen der Kulturfabrik Berg (Altenaer Straße 23, hinter Fitness Gym) „teilt“. Der gebürtige Amerikaner, der zurzeit in Deutschland lebt und arbeitet, greift mit seiner Komposition Mattners Planeten-Darstellung auf. Multiple melodische Phrasen haben darin ihren eigenen rhythmischen Zyklus und laufen zeitversetzt. Jede der Phrasen besteht dabei aus einem komponierten und einem improvisierten Teil. „Wir freuen uns auf den Sound. Das haben wir in dieser Form noch nicht gehabt“, kündigt die Kuratorin die Klangereignisse an.

Während die Beiträge des Duos Atsara jeweils um 20.30 zu sehen und zu hören sind, wiederholt sich Catler’s Projekt vier Mal im Halbstunden-Turnus ab 20 Uhr.

Aktuelles zu den LichtRouten findet sich wie immer auf der Facebook-Fanseite des Festivals

 

Sie bringen die LichtRouten auf die Bretter

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Ob Radlader oder Besen: Lüdenscheider Handwerker packen bei den LichtRouten mit an. Dabei sind neben Björn Gürtler und Thomas Matschulat auch Dietmar Wacker, Martin Frank und Dirk Woeste. Foto: Wolfgang Teipel

Im verlassenen Damrosch-Komplex an der Bahnhofsallee herrscht wieder Leben. Elektriker, Gerüstbauer, Mitarbeiter einer Bau- und Möbeltischlerei und weitere Männer machen sich hier zu schaffen. LichtRouten-Kurator Tom Groll blickt in die Runde. „Das sind die Leute, die die Künstler auf die Bretter bringen“, sagt er. Ohne ihre Unterstützung müsste so mancher auf Strom und andere Dinge warten. „Inzwischen sind wir ein eingespieltes Team“ bekräftigt Tom Groll. Das bestätigen Björn Gürtler (Elektro Gürtler), Thomas Matschulat (Gerüstbau Matschulat), Dietmar Wacker (Bau- und Möbeltischlerei handWERK 4), Martin Franke (Hof und Garten) sowie Dirk Woeste (Baumschule Woeste) gern. Sie und ihre Mitarbeiter packen seit Jahren mit an, wenn bei den LichtRouten Handwerker gefragt sind.

Etat wird entlastet

„Ohne die Unterstützung dieser Sponsoren wären die LichtRouten kaum möglich“, erklärt Jörg Marré, Geschäftsführer des Lüdenscheider Stadtmarketing (LSM). Das Engagement der Unternehmen entlaste den Etat für die LichtRouten. Jeder Cent, der bei den Vorbereitungen eingespart werden könne, fließe in die künstlerische Ausgestaltung des Internationalen Forums für Licht in Kunst und Design vom 27. September bis 6. Oktober.

Männer räumen Schutt beiseite

Zurzeit wird der verlassene Damrosch-Komplex hergerichtet. Die Männer räumen Schutt beiseite, entfernen etwaige Stolperfallen und kümmern sich um die Stromversorgung. Dass ein Stromzähler, der noch vor einigen Wochen in der großen Halle hing, inzwischen verschwunden ist, erleichtert die Arbeit nicht.

Wenn Audrey Rocher und Roland Devocelle anreisen, um ihren Beitrag zu den LichtRouten zu installieren, wird alles perfekt sein. Der Künstlername des Duos lautet übrigens „Atsara“. Atsara projiziert geometrische Farb- und Formsysteme auf organisch-geformte Drahtgebilde. Wo das projizierte Bild auf reflektierenden Draht trifft, wird es sichtbar, ein großer Bildanteil verschwindet in der dunklen Umgebung. Die animierten Strukturen und Systeme zerfallen in Bildausschnitte, die über die Drahtgebilde zu fließen scheinen. Zweiter im Bunde ist der Berliner Künstler Max Sudhues. Er nutzt die kleinere Halle. Er präsentiert eine Art visuelles Kaleidoskop. Grundlage sind Fundstücke und Aufnahmen aus der verlassenen Holzhandlung.

Gesucht und gefunden

Die LichtRouten und die Handwerker-Teams haben sich gesucht und gefunden. Musste Tom Groll bei den ersten Veranstaltungen noch Helfer aus städtischen Betrieben rekrutieren, so kann er inzwischen auf die eingespielte Crew zurückgreifen. „Lüdenscheid ist eben eine tatkräftige Stadt bei solchen Dingen“, sagt LSM-Geschäftsführer Jörg Marré.

Unverhofft kommt oft

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Die Damroschhalle an der Bahnhofsallee ist dem Verfall preisgegeben. Foto: Wolfgang Teipel

von Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. „Ich hoffe, dass hier keiner mit dem Feudel durchgeht.“ Lichtkünstler Max Sudhues mag das Gerümpel in der abbruchreifen Damrosch-Halle. Das verlassene Gebäude der ehemaligen Holzhandlung an der Bahnhofsallee soll bis zum Start der LichtRouten 2013 am 27. September möglichst unverändert bleiben. Genau so will er es mit seiner Installation „Playground Love“ wiederbeleben. Eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht. Zwar ist das gesamte ehemalige Damrosch-Areal mit einem hohen Metallzaun umgeben. Findige Sprayer haben dennoch einen Weg in die Halle gefunden und eine Wand mit Graffiti versehen. „Nicht schlecht“, schmunzelt der 36-Jährige mit dem auffälligen Hut auf dem Kopf. Jetzt muss er mit dem Werk der unbekannten Sprayer leben. Eigentlich wollte er die Wand als Projektionsfläche benutzen. Was sonst noch bis zur Eröffnung der LichtRouten passiert? Kann durchaus sein, dass andere die Pläne von Max Sudhues und dem LichtRouten-Team noch einmal unverhofft durchkreuzen.

Der Meisterschüler von Timm Ulrichs hat eine klare Vorstellung davon, was er dem LichtRouten-Publikum präsentieren möchte. Er zeigt eine Überschneidung von Kunst und Wirklichkeit. „Die riesige Halle bietet dabei ganz andere Möglichkeit als begrenzte Ausstellungsflächen in einem Museum oder einer Galerie“, sagt er. Er will, dass die Besucher den Verfall an der Bahnhofsallee mit anderen Augen sehen. Die zerfetzte Plane, die bei seinem Besuch im Wind flatterte, verwandelt sich bei den LichtRouten 2013 zum  wechselhaften Spiel aus Licht und Schatten. So wird sie Teil eines fantasievollen Parcours. Max Sudhues, 1977 in Münster geboren, lebt und arbeitet in Berlin. Sein Werdegang:

1997-1999 Studium der Philosophie, Humboldt Universität, Berlin

1997-1999 Hospitanz in der Volksbühne, Berlin und bei der Jost Hering Filmproduktion, Berlin

1999-2005 Studium der Freien Kunst bei den Professoren Paul Isenrath, Guillaume Bijl, Meisterschüler bei Prof. Timm Ulrichs, Kunstakademie Münster

2002-2003  Städelschule Frankfurt, Gastsemester bei Thomas Bayrle

2006-2007 Postgraduate Studies an der HISK, Hoger Instituut voor Schone Kunsten, Antwerpen und Gent

Zahlreiche Preise und Stipendien begleiten seine Laufbahn. Darunter der „Tim und Struppi“-Preis von Professor Timm Ulrichs. „Mit dem bekannten Comic hat diese Auszeichnung allerdings wenig zu tun“, lacht Max Sudhues. Die Bezeichnung stammt von Timm Ulrichs, der diesen Preis besonders förderungswürdigen Studenten zukommen ließ.

Die LichtRouten werden vom 27. September bis zum 6. Oktober täglich von 19.30 Uhr bis 24.00 Uhr an den Freitagen und Samstagen sowie am Mittwoch, den 2.10.2013, an allen anderen Tagen bis 23.00 Uhr geöffnet sein. Der Eintritt ist frei.