Tag Archiv für Lichtkunst

Schalter auf „On“ am 28. Juni

 

Auch die Installation "Inbetween" von Philipp Geist wird in Celle zu sehen sein. Foto: Thomas Schroör

Auch die Installation „Inbetween“ von Philipp Geist wird in Celle zu sehen sein. Foto: Thomas Schröder

So viele Lichtkünstler unter einem Dach. Das gab es in Deutschland noch nie. „Scheinwerfer. Lichtkunst in Deutschland im 21. Jahrhundert“ nennt sich die Schau im Celler Kunstmuseum. Am 28. Juni werden die Schalter auf „On“ gestellt. Dann erstrahlen 36 Positionen auf 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche über drei Etagen. Glühbirnen, Leuchtdioden, Neonlicht und Leuchtstoffröhren, Projektor, Beamer und Laser liefern den Leuchtstoff. Weiterlesen

„Scheinwerfer“ zeigt Lichtkunst

Piene_Lichtraum

Lichtkunst-Pionier Otto Piene hat dem Celler Kunstmuseum einen Lichtraum gewidmet. Foto: @Julia Otto

Wolfgang Teipel

Deutschland ist ein Lichtkunst-Land mit internationaler Ausstrahlung. Das belegt das Kunstmuseum Celle mit seiner Ausstellung „Scheinwerfer“ – Lichtkunst in Deutschland im 21. Jahrhundert. Sie zeigt vom 16. November bis 30. März und in einem zweiten Teil vom 20. Juni bis zum 5. Oktober Deutschland als „Lichtkunst-Landschaft“.

LR Max Sudhues (4)

Max Sudhues war bei den LichtRouten in den Damrosch-Hallen aktiv. In Celle ist er wieder dabei.

Das Kunstmuseum Celle mit der Sammlung Robert Simon zeigt in diesem Projekt herausragende Werke aus der aktuellen Produktion von Lichtkunst-Pionieren, Klassikern und Trendsettern. Dabei sind auch einige Künstler, die bei den Lüdenscheider LichtRouten 2013 für Aufsehen gesorgt haben. Dazu zählen Detlef Hartung und Georg Trenz, Jürgen Albrecht, Vollrad Kutscher und Max Sudhues.

Deutschland leuchtet besonders hell

„Wollte man die eine weltweite Landkarte der aktuellen Lichtkunst erstellen, würde Deutschland besonders hell leuchten“, heißt es in einer Mitteilung des Celler Museums. „Im internationalen Vergleich ist die Lichtkunst-Landschaft Deutschland nicht nur hochinteressant, sondern auch außergewöhnlich gut bestückt.“

Verdienst von Robert Simon

Dass gerade das Kunstmuseum Celle dieses Projekt auf die Beine stellt, ist kein Zufall. Als eines von wenigen Häusern in Deutschland setzt die Einrichtung in Celle schon seit 15 Jahren einen klaren Schwerpunkt im Bereich Lichtkunst. Das ist ein Verdienst von Museumsleiter Robert Simon.  Seine seit 1998 zusammengetragene Kollektion zählt zu den umfangreichsten ihrer Art in öffentlichen Museen.

24-Stunden-Museum

Auf Robert Simon ist auch das ungewöhnliche Museumsprofil zurückzuführen. Die Einrichtung in Celle ist das erste 24-Stunden-Kunstmuseum in Deutschland. Robert Simon hat sich dieses Profil sogar patentieren lassen. Der Clou: Nachts übernimmt an und hinter der Fassade die Lichtkunst die Regie und lässt das Haus nach außen strahlen.

Das Projekt „Scheinwerfer“ gliedert sich in zwei Phasen (16. November bis 30. März und 20. Juni bis 5. Oktober). Sie zeigen Lichtkunst an den unterschiedlichsten Standorten: Innen und Außen, im Museum und in der Stadt. Dazu kommen Outdoor-Projektionen, Performances, Vorträge und Workshops. Künstlerischer Leiter des Projekts ist Robert Simon.

Die Künstler: Jürgen Albrecht, Tim Berresheim, Urs Breitenstein, Klaus Geldmacher, Andrea Thembie-Hannig, Detlef Hartung und Georg Trenz, Daniel Hausig, Margaretha Hesse, Albert Hien, Christoph Hildebrand, Hans Kottner, Siegfried Kreitner, Mischa Kuball, Vollrad Kutscher, Stephanie Lampert, Heinz Mack, Francesco Mariotti, Jakob Mattner, Chris Nägele, Molitor & Kuzmin, Otto Piene, Stephan Reusse, Susanne Rottenbach, Regine Schumann, Max Sudhues, Timm Ulrichs, Nils Völker, Rosemarie Weinlich, Claudia Wissmann und Achim Wollscheid.

Blogger-Kollegen:

www.sesekegefluester.de

www.nordstadtblogger.de

www.rundblick-unna.de

bergkamen-infoblog.de

 

Fünf Jahre Pause?

Von Florian Hesse

„Ich bin auf Lichtrouten. Komm! Ist cool!“ Für Tom Groll, Kurator des zehntägigen Lichtspektakels, war die mitgehörte Handy-Konversation eines der persönlichen Schlüsselereignisse des Festivals. Kulturbegeisterte, Lichtkunstfans und einfach eventhungrige Lüdenscheider waren unterwegs. Etwa 45000 Besucher haben die Assistenzen an den 20 Standorten gezählt – oder eher geschätzt. Genaue Angaben seien kaum möglich, wenn die ganze Stadt voller Menschen sei, räumen Jörg Marré und Andre Westermann aus der Geschäftsführung der Lüdenscheider Stadtmarketing GmbH als Veranstalter ein.

LR 2013 l App fuer Smartphone

QR-Codes an den Stationen, Infos übers Smartphone, Kommunikation über Soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook. Die Lichtrouten 2013 hatten einiges an Neuerungen zu bieten. Foto: Lichtrouten.de

Man habe die Wirkung nach innen für Lüdenscheid, aber auch verstärkt für Auswärtige erreicht, sagt Marré im Gespräch mit dem Lichtstadt-Blog. Als Beispiel nennt er die Beteiligung am Publikumspreis für die interessanteste Installation. Die Vorschläge dafür seien aus ganz Europa gekommen.

Eine Rolle dabei hat offenbar die neue Inszenierung des Festivals gespielt. Erstmals konnten Gäste mit einer App für Smartphones durch die Stadt navigieren, QR-Codes scannen, über Facebook und Flickr selbst interagieren. Wer wollte, konnte twittern oder – ebenfalls Premiere – auf diesem Lichtkunst-Blog Insider-Geschichten oder Betrachtungen am Rand nachlesen. „Wir haben“, sagt Marré, „zehn Tage lang die Stadt gut dargestellt.“

Wie es mit den Lüdenscheider LichtRouten weiter geht, bleibt an dieser Stelle bewusst offen. „Wir gehen davon aus, dass es in drei Jahren stattfindet“, sagt Marré als LSM-Geschäftsführer. Doch er verweist auch auf die erforderlichen Beschlüsse im Aufsichtsrat der Gesellschaft und die finanzielle Ausstattung des Projekts, das in diesem Jahr immerhin 360000 Euro gekostet hat.

Doch es könnte auch anders kommen. Denn der Löwenanteil zur Finanzierung kommt von Sparkasse, Stadt Lüdenscheid, Stadtwerken und Wirtschaftsförderung Kreisstadt Lüdenscheid (WKL) als Gesellschafter der Stadtmarketing GmbH. 60000 Euro schießen externe Sponsoren zu.

Interessant wird es beim Blick auf die Stadt selbst. Lüdenscheid hat sich bedingungslos dem Haushaltssicherungskonzept verpflichtet. Mehrausgaben sind nicht drin. Gleichzeitig lebt die Stadt von der Enervie-Dividende, den Erlösen ihrer früheren Stadtwerke-Tochter. Doch der geht es genau so schlecht. Die Energiewende bringt den regionalen Versorger in heftige Probleme.

Vor diesem Hintergrund bedeutet der neue Vorschlag von Bürgermeister Dzewas, die Lichtrouten zum 750jährigen Stadtjubiläum 2018 stattfinden zu lassen, vielleicht auch Folgendes: fünf Jahre Pause.

Zauberei mit Audrey und Roland

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Atsara verzauberte das LichtRouten-Publikum in der ehemaligen Lagerhalle der Holzhandlung Damrosch. Foto: Florian Hesse

von Wolfgang Teipel

Audrey Rocher und Roland Devocelle können sich kaum von Lüdenscheid trennen. Erst am Dienstag macht sich das Lichtkunst-Duo, das sich den Namen „Atsara“ gegeben hat, auf die Heimreise. Mit dabei: Joshua. Der kleine Sohn des Paares aus Agen in Frankreich hat die LichtRouten 2013 wohl so hautnah erlebt wie kein zweites Kind.

Stirnlampe auf dem Kopf

Joshua wuselte ständig auf dem Gelände der ehemaligen Holzhandlung Damrosch herum, im Dunkeln immer eine Stirnlampe auf dem Kopf. „Damit ich immer weiß, wo er ist“, sagt Mutter Audrey Rocher. Im Dunkeln wurde Joshua so selbst zum Glühwürmchen. Damit ähnelte er ein wenig den Lichteffekten, die seine Eltern über verschlungene Drahtgebilde durch die verlassene Lagerhalle schickten.

Licht und Musik

Audrey Rocher und Roland Devocelle haben die LichtRouten-Besucher mit Musik und Licht verzaubert. Lange lag ihre Installation mit dem Titel „(M)ondes“ in der Publikumsgunst weit vorn. Bei der Vergabe des Publikumspreises landeten sie schließlich auf Platz 4.

Beide sind über Umwege zur Lichtkunst gekommen. Audrey Rocher hat eine Ausbildung zur Performerin (Clown und Tänzerin) absolviert. Roland Devocelle ist eigentlich Musiker.

Nummer 27 für Lüdenscheid

Ihre Installationen nummerieren sie durch. Der Titel besteht aus einem Wortspiel. Es lautet (M)ondes für Welt und Wellen. In Lüdenscheid ist Nummer 27. Für die Lüdenscheider Version der Installationen der Serie „[M]ondes“ haben sie eine dreiteilige Installation entwickelt. Geometrische Farb- und Formsysteme werden auf organisch-geformte Drahtgebilde projiziert.

Wo das projizierte Bild auf reflektierenden Draht trifft, wird es sichtbar, ein großer Bildanteil verschwindet in der dunklen Umgebung. Die animierten Strukturen und Systeme zerfallen in Bildausschnitte, die über das Drahtgebilde zu fließen scheinen.

Publikum wählt Knapper Schule

Knapper Schule

Die Knapper Schule als „Dancing House“. Klaus Obermaiers Mapping-Projektion wurde 2013 zum Publikumsliebling. Foto: Ulrike Hesse

Von Florian Hesse und Wolfgang Teipel

Der Publikumspreis der LichtRouten2013 geht an Klaus Obermaier. Der 58-jährige Österreicher, der in seine Heimatstadt Linz und in Venedig arbeitet, galt mit seiner Mapping-Installation an der Fassade der Knapper Schule schon früh als Geheimtipp für den Preis der LichtRouten-Gänger, die sich unter 20 Installationen zu entscheiden hatten. Vier Preise im Wert von jeweils 150 Euro hatte die Lüdenscheider Stadtmarketing GmbH als Veranstalter des Lichtkunst-Festivals für die Teilnehmer ausgelobt.

Unter den durchweg sehenswerten Arbeiten der LichtRouten2013 hatte das „Dancing House“ die Gäste aus Lüdenscheid wie von auswärts von Anfang an in den Bann gezogen. Die Projektion wird gesteuert über die Bewegungen der Zuschauer vor der Kamera.

Mit 20 Prozent der Stimmen habe die Arbeit klar vorn gelegen, hieß es am Schlusstag bei der Bekanntgabe am Info-Stand im Postgebäude. Auf Rang zwei fand sich die Laser-Installation Reiner Plums, auf drei die Arbeit von Robert Sochacki am Wiedenhof, auf vier das Duo Atsara in der Damroschhalle und auf dem fünften Platz Refik Anadols Fassadenbearbeitung am Stern-Center. Größte Medienpräsenz hatte allerdings die Wiedenhof-Installation gefunden. Sie sei „das Gesicht der LichtRouten“ gewesen, so Kuratorin Bettina Pelz.

Klaus Obermaier (links) im Gespräch mit Kuratorin Bettina Pelz und den Assistenzen der LichtRouten. „Das ist euer Team“, stellt Pelz die Gruppe dem österreichischen Künstler beim letzten Rundgang vor. Foto: Wolfgang Teipel

 

Klaus Obermaier selbst über seine Installation: „Im Zeitalter von Social Media wie Facebook, YouTube und Google verändert sich die Erwartungshaltung vor allem der jüngeren Generation gegenüber Kunst, insbesondere jener im öffentlichen Raum. Interaktive Installationen gehen über die passive Rezeption, das bloße Staunen, hinaus und schaffen ein immersives, kommunikatives Erlebnis. Erst durch die aktive Teilnahme der Besucher/innen, durch den spielerischen Umgang, wird das Kunstwerk lebendig. Aus passiven Rezipienten werden kreative Akteure. In Dancing House ist der/die User/in aufgerufen, sich zu bewegen, zu springen, um dadurch – wie im Titel angedeutet – das Gebäude und sich selbst zum Tanzen zu bringen.”

Die Preise der Lüdenscheider Stadtmarketing GmbH gewinnen Anna Blumert aus Lüdenscheid und Claudia Ackermann aus Kierspe, die sich mit Karten am Voting beteiligt hatten. Unter den Online-Votern sind es Stefan Robisch (Hagen) und Annette Schwarze aus Lüdenscheid. Mitgemacht hatten bei der Abstimmung LichtRouten-Fans aus ganz Europa, hieß es am Rande der Bekanntgabe.

Glücksfee der Ziehung war übrigens Ute Hessmert, „die gute Seele der LichtRouten“, die sich mit Kaffee und Brötchen um das Befinden der Helfer gekümmert hat. Die technischen Fragen im Hintergrund hatte bekanntlich ihr Mann Charly geregelt…

Unsere LichtRoute

Die Knapper Schule als „Dancing House“. Foto: Wolfgang Teipel

 

Von Wolfgang Teipel und Florian Hesse

Noch drei Lichtnächte in Lüdenscheid, Tausende Besucher aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland haben bereits die LichtRouten 2013 gesehen und erlebt. 20 Installationen an einem Abend sind allerdings kaum zu schaffen. Der Lichtblog www.lichtstadt-luedenscheid.de versucht sich daher an dieser Stelle an einem Rundgang, der ohne Stress in knapp drei Stunden zu bewältigen sein dürfte.

Als Start empfiehlt sich die Post am Rathausplatz. An der Info-Theke im 1. OG gibt’s aktuelle Informationen, und am Platanenhain kommt man dann ohnehin nicht vorbei. Station 1: Reiner Plum, Zerfließende Räume, Laser-Installation.

Refik Andadol Stern Center

Refik Andadol, Stern Center. Foto: Florian Hesse

Nur wenige Schritte weiter, unübersehbar: Station 2. Detlef Hartung und Georg Trenz bespielen die Fassade des Allen-Hauses von zwei Seiten mit Texturen. Ein Durchlauf dauert 12 Minuten. Ganz anders wird die Fassade des Stern-Centers bearbeitet. Station 3: Refik Anadol zerlegt 16 Minuten lang die triste Betonfassade. Am besten zu sehen von der Thünentreppe aus (hinter der Zufahrt zum Parkhaus).

Einkehr am „Orchestra Inn“

Gut fünf Minuten Fußweg dauert es jetzt bis zur Station 4, dem Wiedenhof gegenüber der Polizei. „Orchestra Inn“ nennt Robert Sochacki seine Installation aus märchenhaft anmutenden Bildern und Filmzitaten vielfach aus den 20er-Jahren, angelehnt an die wechselhafte Geschichte des Hauses. Über die Ampel geht es weiter zur Station 5, den Grillen und Menschen von Amy Youngs in einem der leer stehenden Pavillons. Besucher und Insekten finden sich in ihrer Projektion auf der Wand vereint wieder.

Geheimnisvolle Klänge und Licht sind die Bestandteile der Installation des Duos Atsara in der Damrosch-Halle im hinteren Bahnhofsbereich (Station 6).

Spiel mit Klischees

Unsere Station 7 ist die Arbeit von Christoph Giradet im Kreuzungsbereich Bahnhof-/Lutherstraße. „Silberwald“ ist der Titel der Videoinstallation auf dem Parkplatz des Kunststoff-Instituts. Manchmal komisch, oft bedrückend – Silberwald ist eine Sammlung von Klischees aus dem deutschen Nachkriegs-Kino (12 Minuten, Sitzbänke vorhanden). Als Station 8 bietet sich mit wenigen Minuten Fußweg über die Lessingstraße die Knapper Schule an. Bei der interaktiven Installation greifen die Zuschauer selbst in die Fassade der Schule ein, die sich im Sekundentakt eindrucksvoll verändert. Besucher, Projektor und Bewegungsmelder bringen das „Dancing House“ tatsächlich zum Tanzen.

Abschluss mit Quayola

Nur wenige Schritte weiter über den Theodor-Schulte-Platz geht es zur Station 9 an der Nordstraße. Annica Cuppitelli und Christobal Mendoza haben die Ansicht von 201 weißen Gummibändern digitalisiert. Auch hier können Besucher über ihre Bewegungen das Verhalten der Projektion ansteuern. Die letzte Station (10) des Rundgangs findet sich im Innenhof von Gothaer-Parkhaus und Gewerkschaftshaus. In ruhigen Bildern zeigt Quayola Meisterwerke aus Kunst- und Architekturgeschichte, digital zerlegt, die die Grenzen zwischen Design und Kunst verwischen.

Streifzug durch 50 Jahre Lichtkunst

Diskussionsrunde (2)

Amy Youngs, Audrey Rocher, Robert Sochacki und Detlef Hartung sprachen im Museum mit LichtRouten-Kuratorin Bettina Pelz über 50 Jahre Lichtkunst. Foto: Jakob Salzmann

von Monika Salzmann

Was war – wo steuert die Lichtkunst hin? Im Gespräch mit Künstlerinnen und Künstlern ließ LichtRouten-Kuratorin Bettina Pelz am Samstag in den Museen 50 Jahre Lichtkunst Revue passieren.

„Fifty Years of Light in Fine Arts: From Documenta III to LichtRouten 2013” war die Museumsveranstaltung vor kleinem, fachkundigem Auditorium überschrieben. Als Künstler nahmen Audrey Rocher, Amy Youngs, Robert Sochacki und Detlef Hartung am Erfahrungsaustausch teil.

Lebendigkeit ein Kriterium

Robert Sochacki

Von Robert Sochacki stammt die Installation am Wiedenhof. Foto: Jakob Salzmann

Ausgangspunkt der auf Englisch gehaltenen Diskussion war ein Zitat aus der Wochenzeitung „Die Zeit“ aus dem Jahr 1964, das sich auf die Bewegungs- und Licht-Spiele der damaligen Documenta-Künstler Agam, Goepfert, Kramer, Mack, Piene, Uecker, Soto, Bury und Tinguely bezog. „Ich bin nie sicher, ob das, was diese Leute da oben treiben, mit ‚Kunst’ zu tun hat, aber es hat mich stets ungemein gefesselt, und wenn Lebendigkeit ein Kriterium der Kunst ist, dann sind diese Dynamos und Rotoren und Objekte Kunst“, hieß es da. Mit „oben“ war das Dach des Fridericianums, wo sich die Lichtkünstler bei der Documenta III tummelten, gemeint.

Licht als Material und Medium

Was sich inzwischen getan hat in Sachen Lichtkunst, erläuterten die am Gespräch beteiligten Künstler im Detail. Spannend gestaltete sich in einem zweiten Teil der Veranstaltung der Vergleich zwischen Museen und Festivals, die sich mit Licht als Material und Medium in der Kunst beschäftigen.

Aus unterschiedlicher Perspektive – bezogen auf die Herkunftsländer der Lichtkünstler, den Anteil der Männer und Frauen, Materialien und Technologien, ortsspezifische und re- bzw. interaktive Arbeiten – betrachteten Bettina Pelz und ihre Gäste die Fragestellung.

Spielraum für immer

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Der „Spielraum“ am Allen-Haus. Die LichtRouten-Besucher sind begeistert. Das Foto wurde www.lichtstadt-luedenscheid von dem Lüdenscheider Fotografen Lothar Borchert zur Verfügung gestellt.

von Wolfgang Teipel

Samuel Bertram Allen besitzt eine Reihe von Immobilien in Lüdenscheid. Eins seiner Gebäude sollte er besonders schmücken. Das wünschen sich Fans der LichtRouten.

Im Lüdenscheider Volksmund führt das 2009 errichtete Geschäftshaus als „Allen-Haus“ inzwischen den Namen des irischen Investors. Die Besucher der LichtRouten schwärmen von der Installation, mit der die beiden Künstler Detlef Hartung und Georg Trenz den weißen Kubus am Sternplatz bespielen.

Scharen von Fotografen

Ihr Projekt „Spielraum“ ist auf der dem Sternplatz und der dem Rathaus zugewandten Fassade zu sehen. Schon am ersten Abend des Internationalen Forums für Licht in Kunst und Design lockte es Fotografen aus der Region in Scharen. Michel Petit, Architekt aus Luxemburg, verliebte sich am Freitagabend in die Symbiose aus Lichtkunst und Architektur. „Fantastisch“, schwärmte der Mann, der für die Zeitschrift „Revue Technique“ fotografiert und schreibt. „Das Bauwerk wirkt, als sei es für diese Installation errichtet worden.“

Euros locker machen

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Detlef Hartung (links) und Georg Trenz.

Damit sprach er aus, was zahlreiche Besucher in Gesprächen durchblicken ließen. Klartext sprach ein LichtRouten-Fan, der sich gar nicht satt sehen konnte. „Der Investor sollte mal einige Euros locker machen und das Projekt Spielraum ankaufen“, meinte er.

Detlef Hartung und Georg Trenz würde es sicher freuen. „Spielraum“ lässt riesige und filigrane Schriften über das Gebäude laufen. Sie werden gedreht, verzerrt, eingefärbt und lösen sich am Ende der zwölfminütigen Schau in kleine Kreisel auf, die dann langsam von der Fassade verschwinden. Dann beginnt das Schauspiel erneut.

Der Raum begrenzt das Spiel

Spiel, Raum und Schriften – das sind die Dinge, mit denen sich Detlef Hartung und Georg Trenz intensiv beschäftigen. Spiel steht bei den beiden Männern aus Süddeutschland für Kreativität und Fantasie. Der Raum grenzt das Spiel ein. Bei den LichtRouten sind es die beiden Fassaden des Allen-Hauses.

Es steht eben nicht eben ein grenzenloser Spielraum zur Verfügung. Den Platz, den ihnen der weiße Würfel bietet, nutzen die beiden Lichtkünstler perfekt. Der Spielraum als Freiraum und Toleranz liegt ihrer Idee zugrunde. Das Spielerische wird dabei zum Leitmotiv ihres Animationskonzeptes.

Viel Platz fürs eigene Bild

Von Florian Hesse

Bei „Paint Your City“ kann jetzt jeder in die Künstlerrolle schlüpfen und mit seinen Zeichnungen, Bildern, Animationen oder Videos die rückwärtige Fassade der Fachhochschule Südwestfalen an der Bahnhofsallee bespielen. Im Rahmen der LichtRouten 2013 bietet die Denkfabrik im Präsentationsjahr die Möglichkeit, selbst ein kreativer Teil des Festivals zu werden. Weitere Beiträge sind herzlich willkommen.

Sauerfeld

Lichtbild – Sauerfelder Straße bei Nacht. Blick auf das Gebäude Sternplatz 1. Foto:Florian Hesse

 

„Zukunft der Stadt“ ist das Thema, zu dem Kindergärten, Schulen, Weiterbildungseinrichtungen ebenso wie Einzelpersonen, Initiativen und Vereine aktiv werden können.

Wie das bereits aussieht, davon können sich die Besucher der LichtRouten schon heute einen Eindruck verschaffen, bevor sie vielleicht direkt gegenüber das Deutsche Institut für Lichttechnik besuchen, das heute zum Tag der offenen Tür in den Neubau einlädt. Die Teilnahmebedingungen für „Paint your City“ finden Sie hier.

Endlich geht’s los

LR 2013 Cuppetelli und Mendoza

Zauberei mit Licht und Gummibändern in der alten Kuhne-Fabrik an der Nordstraße.

von Wolfgang Teipel

Die letzten Stunden vor der Eröffnung der LichtRouten sind für Kuratorin Bettina Pelz eine Qual. Äußerlich ist ihr nur wenig anzumerken. Naja, ein wenig mehr Schlaf wäre schon schön.

Sie ist witzig wie immer, schlagfertig und wirkt energiegeladen. Dennoch: Die starke innere Anspannung ist zu spüren. Bettina Pelz räumt ein: „Die letzten Stunden sind der reine Horror.“ Davon ist die 49-Jährige jetzt befreit. Nach der Eröffnung am Freitagabend tummelten sich Besuchermassen auf dem Internationalen Festival für Licht in Kunst, Design und Architektur in Lüdenscheid (noch bis 6. Oktober). Und – alles funktioniert.

Pure Poesie am Wiedenhof

„Et hätt noch immer jot jejange“, sagt der immer optimistische Kölner. Das stimmt. Auch wenn der polnische Künstler Robert Sochacki seine Installation für den Wiedenhof noch am Tag der Generalprobe sein Werk völlig umgekrempelt und bei der künstlerischen Leitung für helle Aufregung gesorgt hatte – seine Zeitreise an der Bahnhofstraße verströmte am Freitagabend pure Poesie.

Zirpen mit Speziallampe

Den Grillen, unverzichtbarer Bestandteil von Amy Youngs‘ Werk im Pavillon an der Bahnhofstraße, geht es gut. Sie sind ganz schön anspruchsvoll und zirpen nur ab einer Temperatur von 26 Grad Celsius. Und nur dann funktioniert auch die Installation der Amerikanerin. Wie sollten die Techniker das garantieren? Es gelang. Eine zusätzliche Speziallampe versorgt die Insekten mit wohliger Wärme.

LR 2013 Rainer Plum

„Das Zerfließen der Räume“ – Rainer Plums Laser im Platanenhain auf dem Rathausplatz funktionieren.

„Alles, was schief gehen kann, wird auch schief gehen.“ Dass Murphys Gesetz auch für die LichtRouten gilt, erfuhr einen Tag vor der offiziellen Eröffnung auch Rainer Plum. Einer seiner Laser in der Installation auf dem Platanenhain auf dem Rathausplatz gab den Geist auf. Ersatz war auf die Schnelle und ohne hohe Kosten nicht zu beschaffen. Die Reparatur glückte rechtzeitig. Bettina Pelz zollt dem Mann aus Aachen ihren Respekt. „Es hat sich ausgezahlt, dass Rainer Plum an jedem Abend in der Vorbereitungszeit vor Ort war“, sagt sie. Selbstverständlich sei das keinesfalls.

LR 2013 Klaus Obermaier

Die Knapper Schule tanzt: Klaus Obermaiers Installation „Dancing House“.

Alles, nur keine Routine

Für niemanden aus dem Team oder aus dem Kreis der Künstlerinnen und Künstler sind die LichtRouten Routine – auch wenn die Veranstaltung inzwischen in der siebten Auflage (seit 2002) zu sehen ist.  Alle arbeiten mit voller Kraft für dieses Festival des Lichts. Das spüren die Besucher und lassen es das Team auch wissen. „Ein wunderbarer Abend“. So verabschiedete sich ein Ehepaar aus Schalksmühle nach dem Besuch der Veranstaltung. Das bedeutet mehr als nur Balsam für die Nerven der angespannten Bettina Pelz.

Hinweise auf die Führungen sowie die zuätzlichen Veranstaltungen im Rahmenprogramm der LichtRouten finden Sie hier