Tag Archiv für Lüdenscheid

Kunos coole Clips

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Das passt: Die Installation „Augen“ von Dieter Kiessling in der Post und Kuno Seltmann. Er war als Auge für die LichtRouten 2013 unterwegs. Foto: Wolfgang Teipel

von Wolfgang Teipel

Lebe lieber ungewöhnlich – der Titel des rund sechsminütigenVideo-Clips, den Kuno Seltmann gedreht hat, könnte auch für das Lebensmotto des jungen Mannes stehen. Auffällige Frisur, Piercings, orange-farbene Schuhe und ein Gesamt-Outfit, das signalisiert: Hier kommt jemand, der sieht die Welt mit anderen Augen.

Das passt zunächst so gar nicht zu der nahezu amtlichen Bezeichnung für den Job, den Kuno Seltmann bei den LichtRouten 2013 übernommen hatte. Er war zuständig für die digitale Dokumentation.

Abend für Abend unterwegs

Kuno hat nicht eine Minute des Internationalen Forums für Licht in Kunst und Design vom 27. September bis 6. Oktober in Lüdenscheid versäumt. Mit kleiner Ausrüstung (Kamera und Steady Cam Schwebestativ) war er Abend für Abend unterwegs, um seine Sicht auf die 20 Installationen einzufangen. „Mehr Ausrüstung wäre eigentlich nur hinderlich“, sagt Kuno. Klar. Wer will schon zehn Tage lang bis Mitternacht mit kiloschweren Utensilien durch die Gegend laufen.

Aura der Werke das Thema

Was hat er versucht einzufangen? In seinen Filmen wird es um die Aura gehen, die die 20 Lichtkunstwerke zehn Tage lang umgeben hat. Nur Stimmung also? „Nein, die Techniken, die die Künstler verwendet haben, sind auch wichtig. Sie werden zu sehen sein.“ Details spart der junge Mann in seinen Clips aus. „Man soll nicht unbedingt sehen können, wie die Installationen funktionieren.“ Dazu kommt: Bild und Ton werden nicht in jedem Fall synchron laufen. „Das kann durchaus kontraproduktiv sein.“

Wer war der Favorit?

Die unvermeidbare Frage: Was war Kunos Favorit? Der Mann, der sich zehn Tage lang intensiv und professionell mit 20 Lichtkunstwerken auseinandergesetzt hat, kommt ins Grübeln. „Nicht so leicht zu beantworten“, sagt er. War es vielleicht die spektakuläre Installation von Detlef Hartung und Georg Trenz auf dem Allen-Haus? Kuno Seltmann lässt den Blick zurückschweifen. Dann ist alles klar: „Mein Lieblingswerk war das ‚Orchestra Inn‘ von Robert Sochacki auf dem Wiedenhof.“ Ein wenig altmodische Bilder, ruhig vorgetragen und begleitet von coolem Club-Sound. Das passt eigentlich nicht so zum Motto „Lebe lieber ungewöhnlich“. Schön bunt war’s aber auch am Wiedenhof – genauso wie Kunos Outfit. Wer den Sound hören möchte, den Robert Sochacki für seine Installation ausgwählt hatte, findet ihn hier (Lake Powell: „More or Less“).

Kuno Seltmann: Der 24-jährige Lüdenscheider studiert an der Universität Siegen Medienwissenschaft. Im Mittelpunkt des Studiums steht die Medienforschung. Der Praxisanteil beträgt etwa 30 Prozent. Es werden die Bereiche Film, Ton und Print, wahlweise auch Web abgedeckt.

Fünf Jahre Pause?

Von Florian Hesse

„Ich bin auf Lichtrouten. Komm! Ist cool!“ Für Tom Groll, Kurator des zehntägigen Lichtspektakels, war die mitgehörte Handy-Konversation eines der persönlichen Schlüsselereignisse des Festivals. Kulturbegeisterte, Lichtkunstfans und einfach eventhungrige Lüdenscheider waren unterwegs. Etwa 45000 Besucher haben die Assistenzen an den 20 Standorten gezählt – oder eher geschätzt. Genaue Angaben seien kaum möglich, wenn die ganze Stadt voller Menschen sei, räumen Jörg Marré und Andre Westermann aus der Geschäftsführung der Lüdenscheider Stadtmarketing GmbH als Veranstalter ein.

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QR-Codes an den Stationen, Infos übers Smartphone, Kommunikation über Soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook. Die Lichtrouten 2013 hatten einiges an Neuerungen zu bieten. Foto: Lichtrouten.de

Man habe die Wirkung nach innen für Lüdenscheid, aber auch verstärkt für Auswärtige erreicht, sagt Marré im Gespräch mit dem Lichtstadt-Blog. Als Beispiel nennt er die Beteiligung am Publikumspreis für die interessanteste Installation. Die Vorschläge dafür seien aus ganz Europa gekommen.

Eine Rolle dabei hat offenbar die neue Inszenierung des Festivals gespielt. Erstmals konnten Gäste mit einer App für Smartphones durch die Stadt navigieren, QR-Codes scannen, über Facebook und Flickr selbst interagieren. Wer wollte, konnte twittern oder – ebenfalls Premiere – auf diesem Lichtkunst-Blog Insider-Geschichten oder Betrachtungen am Rand nachlesen. „Wir haben“, sagt Marré, „zehn Tage lang die Stadt gut dargestellt.“

Wie es mit den Lüdenscheider LichtRouten weiter geht, bleibt an dieser Stelle bewusst offen. „Wir gehen davon aus, dass es in drei Jahren stattfindet“, sagt Marré als LSM-Geschäftsführer. Doch er verweist auch auf die erforderlichen Beschlüsse im Aufsichtsrat der Gesellschaft und die finanzielle Ausstattung des Projekts, das in diesem Jahr immerhin 360000 Euro gekostet hat.

Doch es könnte auch anders kommen. Denn der Löwenanteil zur Finanzierung kommt von Sparkasse, Stadt Lüdenscheid, Stadtwerken und Wirtschaftsförderung Kreisstadt Lüdenscheid (WKL) als Gesellschafter der Stadtmarketing GmbH. 60000 Euro schießen externe Sponsoren zu.

Interessant wird es beim Blick auf die Stadt selbst. Lüdenscheid hat sich bedingungslos dem Haushaltssicherungskonzept verpflichtet. Mehrausgaben sind nicht drin. Gleichzeitig lebt die Stadt von der Enervie-Dividende, den Erlösen ihrer früheren Stadtwerke-Tochter. Doch der geht es genau so schlecht. Die Energiewende bringt den regionalen Versorger in heftige Probleme.

Vor diesem Hintergrund bedeutet der neue Vorschlag von Bürgermeister Dzewas, die Lichtrouten zum 750jährigen Stadtjubiläum 2018 stattfinden zu lassen, vielleicht auch Folgendes: fünf Jahre Pause.

Zauberei mit Audrey und Roland

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Atsara verzauberte das LichtRouten-Publikum in der ehemaligen Lagerhalle der Holzhandlung Damrosch. Foto: Florian Hesse

von Wolfgang Teipel

Audrey Rocher und Roland Devocelle können sich kaum von Lüdenscheid trennen. Erst am Dienstag macht sich das Lichtkunst-Duo, das sich den Namen „Atsara“ gegeben hat, auf die Heimreise. Mit dabei: Joshua. Der kleine Sohn des Paares aus Agen in Frankreich hat die LichtRouten 2013 wohl so hautnah erlebt wie kein zweites Kind.

Stirnlampe auf dem Kopf

Joshua wuselte ständig auf dem Gelände der ehemaligen Holzhandlung Damrosch herum, im Dunkeln immer eine Stirnlampe auf dem Kopf. „Damit ich immer weiß, wo er ist“, sagt Mutter Audrey Rocher. Im Dunkeln wurde Joshua so selbst zum Glühwürmchen. Damit ähnelte er ein wenig den Lichteffekten, die seine Eltern über verschlungene Drahtgebilde durch die verlassene Lagerhalle schickten.

Licht und Musik

Audrey Rocher und Roland Devocelle haben die LichtRouten-Besucher mit Musik und Licht verzaubert. Lange lag ihre Installation mit dem Titel „(M)ondes“ in der Publikumsgunst weit vorn. Bei der Vergabe des Publikumspreises landeten sie schließlich auf Platz 4.

Beide sind über Umwege zur Lichtkunst gekommen. Audrey Rocher hat eine Ausbildung zur Performerin (Clown und Tänzerin) absolviert. Roland Devocelle ist eigentlich Musiker.

Nummer 27 für Lüdenscheid

Ihre Installationen nummerieren sie durch. Der Titel besteht aus einem Wortspiel. Es lautet (M)ondes für Welt und Wellen. In Lüdenscheid ist Nummer 27. Für die Lüdenscheider Version der Installationen der Serie „[M]ondes“ haben sie eine dreiteilige Installation entwickelt. Geometrische Farb- und Formsysteme werden auf organisch-geformte Drahtgebilde projiziert.

Wo das projizierte Bild auf reflektierenden Draht trifft, wird es sichtbar, ein großer Bildanteil verschwindet in der dunklen Umgebung. Die animierten Strukturen und Systeme zerfallen in Bildausschnitte, die über das Drahtgebilde zu fließen scheinen.

Dickes Lob fürs ganze Team

Assistenzen

Endlich Feierabend. Stephanie füllt ihren Rückmeldebogen aus. Solveig checkt schnell die SMS, die während ihrer Führung eingegangen sind.

 

Die Maschinerie, die dem Publikum aus nah und fern die LichtRouten 2013 präsentiert, läuft wie geschmiert. Künstlerische Leitung, die Techniker, das Organisationsteam und die vielen Assistenzen geben ihr Bestes.

Applaus am Ende der Führung

Wenn dann mal ein Lob herausspringt, feuert das die Motivation der vielen an. Applaus von den Besuchern am Ende einer Führung, manchmal ein Trinkgeld oder auch Schreiben an die künstlerische Leitung, das tut allen gut. Kürzlich erhielten die beiden Kuratoren folgende Mail von Anne Maigler. Sie arbeitet als Designmanagerin und Unternehmensberaterin in Berlin. Sie schreibt unter anderem:

„Liebe Bettina Pelz, lieber Tom Groll,

Was mir am stärksten aufgefallen ist: die Haltung der beteiligten Mitarbeiter. Eine unglaublich zugewandte, liebenswürdige, hoch aufmerksame und engagierte Truppe! Eine wahrhafte „corporate identity“ im Verhalten der Botschafterinnen und Botschafter, die auch nach Mitternacht strahlend und von ihrer Sache begeistert waren, an welchem dunklen Ort auch immer sie sich befanden.

Toi Toi Toi für die Lüdenscheider Tage und Nächte und hoffentlich auf bald mal in Berlin.“

Assistenzen

Die Helferinnen und Helfer holen ihre Unterlagen ab.

Das geht runter wie Butter. Das gilt auch für eine Mail, die www.lichtstadt-luedenscheid.de im Anschluss an die große Pressekonferenz erhielt. Dolmetscherin Isabel Schwagereit, die kurzfristig für eine Kollegin einspringen musste, schildert ihre Eindrücke so: „Übrigens war die Stimmung bei der Pressekonferenz eine ganz andere als sonst beim Dolmetschen. Natürlich sind es immer Menschen, für die ich tätig werde, aber so gelöst und froh wie am Freitag habe ich meine Kunden selten erlebt. Auch das war etwas Besonderes. Weiter viel Erfolg mit und Freude an den LichtRouten.“

Kaffee und Brötchen von Ute

Ein Garant dafür, dass bei allen LichtRouten-Beteiligten eine lockere Stimmung herrscht, ist auch Ute Hessmert. Wo sie am späten Abend auftaucht, sorgt sie für gute Laune. Kein Wunder. Ute hat Kaffee, Tee und Brötchen im Gepäck. Wenn  sie mit ihrem roten Auto auftaucht, wissen alle: Jetzt ist kurze Pause für einen kleinen Imbiss. Die belegten Brötchen spendiert übrigens die Bäckerei Kayser.

Ute Hessmert hat alle Installationen der LichtRouten 2013 mehrfach gesehen. Einen Favoriten hat sie selbstverständlich auch. Es sind die „Zerfließenden Räume“ von Rainer Plum im Platanenhain.

 

Hocken auf der Ex-Pilsleuchte

 

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Nach dem langen Marsch sehr bequem: Kuratorin Bettina Pelz testet den Lichthocker.

von Wolfgang Teipel

Endlich sitzen – das mag sicher mancher denken, wenn er seine Runde über die Lüdenscheider LichtRouten abgeschlossen hat. Kunst kann eben auch zur harten Fußarbeit werden. Das hat Gabi Püttmann vom LichtRouten-Team zur Kreation eines Lichthockers inspiriert.

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Und so sieht das Sitzmöbel von innen aus. Foto: Jakob Salzmann

Die freischaffende Künstlerin und Designerin ist unter anderem für den Einsatzplan der 50 LichtRouten-Assistenzen zuständig. Eine knifflige Sache, die Einsatzwünsche der Frauen und Männer unter einen Hut zu bringen. Das ist Gabi Püttmann aber ebenso gelungen, wie der Lichthocker.

Ein Stück Lüdenscheider Geschichte

Die Sitzmöbel sind ein Stück Lüdenscheider Geschichte. Es handelt sich um Lampenschirme. Sie sind durch die Umrüstung der städtischen Straßenbeleuchtung auf LED-Leuchten sind diese Schirme überflüssig geworden. „Wahrscheinlich wären alle entsorgt worden, weil keine weitere Verwendung möglich war“, sagt Gabi Püttmann. Da kam ihr die Idee, die sogenannten Pilsleuchten zu Schemeln umzurüsten.

Erstmal durch einen Waschgang

„Viele von ihnen waren noch gut erhalten. Sie mussten nur gründlich gesäubert werden“, berichtet die Designerin. Aus einigen der Kunststoffschirme waren im Laufe der Jahre die Weichmacher entwichen. „Das Plastik war spröde.“ Diese Leuchtschirme genügten den Ansprüchen der Designerin nicht. Dass alle leichte Gebrauchsspuren aufweisen, stört sie aber nicht. „So wird jeder Hocker zum Einzelstück.“

Leuchten in zwei Ausführungen

Die Öffnung, mit der die Schirme an den Laternenmasten befestigt waren, hat Gabi Püttmann mit einem gepolsterten Aufsatz versehen. So erhält das Möbelstück die exakte Sitzhöhe. Durch die zusätzliche Bestückung mit LED-Leuchtmitteln wurden die ehemaligen Pilsleuchten schließlich zum Lichthocker. Es gibt sie in zwei Ausführungen: So lässt sich in einer Version das Licht per Hand einschalten. Die andere Ausführung leuchtet auf, wenn jemand auf dem Lichthocker Platz nimmt.

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Designerin Gabi Püttmann

Zur Person: Gabi Püttmann lebt und arbeitet seit 2000 als freischaffende Künstlerin in Lüdenscheid. An ihr Studium im Fachbereich Objekt-Design schlossen sich mehrere Jahre als Bildhauerin in Dortmund und als Stylistin (Modelleur) bei der Daimler Benz AG in Sindelfingen an.

Ihre Bilder und Objekte sind gekennzeichnet durch grobe und feine Strukturen, die in Kombination mit Farbe zum eigenen Ausdruck ihrer Kunst werden. Oft sind, wie bei den Lichthockern, noch die Bearbeitungsspuren der Werkzeuge sichtbar.

Mehr zu Gabi Püttmann hier

Kontakt: kontakt@puettmann-kunst.de

 

 

Überall ist Licht

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Licht, in Szene gesetzt von Experten für Experten, zog im Deutschen Institut für angewandte Lichttechnik (DIAL) das Publikum an. Foto: Jakob Salzmann

von Monika Salzmann

Mit einer „Nacht der offenen Tür“ bereicherte das Deutsche Institut für Angewandte Lichttechnik (DIAL) – Dienstleistungszentrum für  Gebäudetechnik und Licht  – am Samstag das LichtRouten-Programm.

Bei Einbruch der Dunkelheit öffnete die Lüdenscheider Forschungs- und Entwicklungsschmiede, die sich als Softwarehaus für DIALux – von Planern für Planer entwickelt -, Wissensvermittler und Dienstleister versteht, an ihrem neuen Standort Bahnhofsallee 18 ihre Pforten für die breite Öffentlichkeit.

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Das DIAL gewährte dem Publikum einen Blick hinter die Kulissen. Foto: Jakob Salzmann

Gestaltung und Technik

Führungen und Vorträge gewährten den Besuchern, die bis tief in die Nacht in den markanten, hell erleuchteten Neubau strömten, einen spannenden Einblick in zukunftsrelevante Arbeitsfelder zwischen Gestaltung und Technik. Jung und Alt, Einheimische und Auswärtige nutzten die Gelegenheit, den markanten Neubau, der ohne eine konventionelle Heizungsanlage auskommt und Gebäude-System-Design-Maßstäbe setzt, zu erkunden und sich die verschiedenen Arbeitsbereiche des Zentrums erklären zu lassen.

Ausgeklügeltes Lichtkonzept

Alle Ebenen des dreigeschossigen High-Tech-Gebäudes, Schulungsräume, Labore und Arbeitsräume für die Software-Entwicklung lernten die Besucher beim Rundgang durchs Gebäude kennen. Sowohl das innovative Architekturkonzept als auch das ausgeklügelte Lichtkonzept des Neubaus, in dem die (Nicht)Farben Schwarz und Weiß dominieren, kam zur Sprache.

„Einblicke, die man sonst nicht bekommt“ erhielten die Besucher daneben im schwarzen und im weißen Labor. Aus nächster Nähe konnten Interessierte unter anderem das Drehspiegel-Goniophotometer des Black Laboratory zur Messung des Lichtstroms und der Lichtstärkeverteilung und andere Präzisionsmessgeräte, mit denen das DIAL arbeitet, betrachten und Wissenswertes über Lichttechnik erfahren.

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Das lichtdurchflutete Treppenhaus des DIAL. Foto: Jakob Salzmann

Lichterlebnis-Labor

Nicht minder groß war das Interesse am Lichterlebnislabor (weißes Labor), in dem ging es um flächige und akzentuierte Beleuchtung sowie die Wirkung von farbigem Licht auf farbigen Flächen ging.

Zu guter Letzt gestattete das Zentrum Besuchern auch im Bereich Software-Entwicklung einen Blick hinter die Kulissen.

Neues Video im Lichtblog

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Robert Sochacki gestaltet die Fassaden des Wiedenhofs. Foto: Jakob Salzmann

von Wolfgang Teipel

Aufgepasst –www.lichtstadt-luedenscheid.de zeigt seinen Lesern bewegte Bilder von den LichtRouten. Thomas Schielke hat dem LichtRouten-Blog eine vierminütige Video-Zusammenfassung zur Verfügung gestellt. „Es sind Schnappschüsse vom Samstagabend“, stapelt der Lüdenscheider Architekt tief. Ohne Grund: Die Bilder zeigen einen eindrucksvollen Querschnitt durch das Internationale Forum für Licht und Design. Wer sich das Video anschauen möchte, klickt hier.

Auch 2010 unterwegs

Thomas Schielke ist für das Lüdenscheider Weltunternehmen ERCO (Firmenmotto „Erco verkauft Licht, nicht Leuchten.“) tätig. Er kümmert sich um Marketing und Kommunikation. Die kleine Videoproduktion war kein Auftrag für seine Firma. Thomas Schielke war in diesem Jahr, ebenso wie 2010, ganz privat auf den LichtRouten unterwegs.

Thomas Schielke (Jahrgang 1973) hat in Darmstadt Architektur studiert. Seit 2001 ist er führt ERCO tätig. Er leitet internationale Lichtworkshops und ist unter anderem mit dem Buch „Light Perspectives – between culture and technology“ als Autor in Erscheinung getreten. Zu seinen Aufgaben zählen weiter Lehraufträge an internationalen Universitäten wie beispielsweise Harvard GSD, dem Massachusetts Institut of Technology (MIT) oder der Columbia GSAPP.

Vortrag beim Science Slam im Kulturhaus

Auch beim Science Slam am Mittwoch ist Thomas Schielke dabei. Bei dieser Veranstaltung im Kulturhaus (ab 19.30 Uhr) wird er über das Thema „Schatten. Gefällt mir.“ sprechen. Der Science Slam bietet fünf Vorträge. Sie werden auf unterhaltsame und humorvolle Art Wissen vermitteln. „Bei mir geht es unter anderem um das Thema Lichtverschmutzung“, kündigt der Lüdenscheider Architekt an.

Publikum bestimmt den Sieger

Neben ihm wird der Publikumsliebling 2012, Dr. Sascha Vogel aus Frankfurt, dabei sein. Dazu kommen Professor Dr. Rolf Larisch (Lüdenscheid), Dipl.-Ing. Dieter Polle (Lüdenscheid, Deutsches Institut für angewandte Lichttechnik) und Dr. Amitabh Banerji (Universität Wuppertal). Zum Schluss der heiteren Wissensvermittlung kann das Publikum wie beim Poetry Slam einen Sieger küren. Der Eintritt kostet 8 Euro.

 

Einstürzende Neubauten

Refik Anadol Stern-Center

Einstürzende Neubauten: So überformt Refik Anadol die Fassade an der Rückseite des Stern-Centers.

von Wolfgang Teipel

Refik Anadol  liebt die deutsche Küche. Einige Tage lang durfte der türkische Licht- und Mediendesigner in Lüdenscheid Hausmannskost genießen. Am Sonntagmorgen saß er dann schon wieder im Flugzeug auf dem Weg ins das Land von Burger King und McDonalds. Die LichtRouten-Installation des 28-Jährigen bleibt den Freunden des Internationalen Forums für Licht in Kunst und Design allerdings noch bis zum 6. Oktober erhalten.

Spiel mit der Wahrnehmung

„Und das ist gut so“, möchte man mit einem Zitat eines bekannten Berliner Regierenden Bürgermeisters betonen. „Semaphore“, von der Thünentreppe aus an der Rückseite des Stern-Centers zu sehen, ist ein bezauberndes Spiel mit der Wahrnehmung.

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Refik Anadol lebt und arbeitet in Los Angeles.

Refik Anadol, in seiner neuen Heimat Los Angeles ein Star unter den Lichtdesignern, überformt die triste Betonfassade mit einer faszinierenden digitalen Projektion. Die öden Mauern verschwinden unter freien Formen, manchmal erscheint der Beton transparent, dann wieder bewegen sich einzelne Elemente im freien Spiel. Anadol könnte die Fassade wahrscheinlich auch komplett einstürzen lassen. Mit Rücksicht auf den 20. Geburtstag, den das Einkaufscenter in diesen Tagen feiert, hat er auf solch weitreichende Aktionen verzichtet.

16 Minuten dauert die von Soundeffekten begleitete Sequenz. Im ersten Moment erscheint das vielen Besucher als reichlich lang. Dann lassen sie sich einfangen von den einstürzenden Neubauten. Mancher bleibt sogar gern länger und gönnt sich eine zweite Runde.

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Der Semaphor in der Wesermündung vor Bremerhaven wurde 1893 errichtet.

Zu Recht. Das Wechselspiel zwischen analoger Architektur und digitaler Überformung übt einen ganz besonderen Reiz aus. Etwa wie die Op-Art in den 60er Jahren. Damals erzeugten die Op-Art-Künstler mit Hilfe präziser abstrakter Formmuster und geometrischer Farbfiguren beim Betrachter überraschende oder irritierende Effekte, die die Vorstellung von Bewegung, Flimmereffekten und optische Täuschungen hervorriefen. Bekannte Op-Art-Vertreter sind Günther Uecker, Heinz Mack oder auch Josef Albers. In dieser Kunst der Täuschung liegen die Wurzeln von Refik Anadol.

Begriff aus der Informatik

„Semaphore“, der Titel des Werks, bedarf ein wenig der Aufklärung. Der Begriff ist der Informatik entnommen. Er bezeichnet eine ganz spezielle Datenstruktur. Sie verhindert, dass sich parallel laufende Prozesse gegenseitig behindern.

Die Bezeichnung Semaphor ist allerdings weitaus älter als die Informatik. So heißen in der Fachsprache die Windrichtungs- und Windstärkeweiser, die Schiffskapitänen vor dem Einlaufen in ihren Zielhafen wichtige Hinweise lieferten. Einer der bekanntesten Semaphoren in Deutschland steht noch heute in der Wesermündung vor Bremerhaven.

Gern gesehener Gast

Refik Anadols Installation ist ebenfalls wegweisend für die Weiterentwicklung in Licht- und Mediendesign.  In welche Richtung? Für den jungen Künstler aus Los Angeles auf jeden Fall immer weiter nach vorn. „Er hat ja noch so viel Zeit“, sagte eine Besucherin. In Lüdenscheid wäre er sicher erneut ein gern gesehener Gast. Übrigens Refik: Deutsche Hausmannskost gibt es ganz sicher auch bei den nächsten LichtRouten.

Spielraum für immer

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Der „Spielraum“ am Allen-Haus. Die LichtRouten-Besucher sind begeistert. Das Foto wurde www.lichtstadt-luedenscheid von dem Lüdenscheider Fotografen Lothar Borchert zur Verfügung gestellt.

von Wolfgang Teipel

Samuel Bertram Allen besitzt eine Reihe von Immobilien in Lüdenscheid. Eins seiner Gebäude sollte er besonders schmücken. Das wünschen sich Fans der LichtRouten.

Im Lüdenscheider Volksmund führt das 2009 errichtete Geschäftshaus als „Allen-Haus“ inzwischen den Namen des irischen Investors. Die Besucher der LichtRouten schwärmen von der Installation, mit der die beiden Künstler Detlef Hartung und Georg Trenz den weißen Kubus am Sternplatz bespielen.

Scharen von Fotografen

Ihr Projekt „Spielraum“ ist auf der dem Sternplatz und der dem Rathaus zugewandten Fassade zu sehen. Schon am ersten Abend des Internationalen Forums für Licht in Kunst und Design lockte es Fotografen aus der Region in Scharen. Michel Petit, Architekt aus Luxemburg, verliebte sich am Freitagabend in die Symbiose aus Lichtkunst und Architektur. „Fantastisch“, schwärmte der Mann, der für die Zeitschrift „Revue Technique“ fotografiert und schreibt. „Das Bauwerk wirkt, als sei es für diese Installation errichtet worden.“

Euros locker machen

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Detlef Hartung (links) und Georg Trenz.

Damit sprach er aus, was zahlreiche Besucher in Gesprächen durchblicken ließen. Klartext sprach ein LichtRouten-Fan, der sich gar nicht satt sehen konnte. „Der Investor sollte mal einige Euros locker machen und das Projekt Spielraum ankaufen“, meinte er.

Detlef Hartung und Georg Trenz würde es sicher freuen. „Spielraum“ lässt riesige und filigrane Schriften über das Gebäude laufen. Sie werden gedreht, verzerrt, eingefärbt und lösen sich am Ende der zwölfminütigen Schau in kleine Kreisel auf, die dann langsam von der Fassade verschwinden. Dann beginnt das Schauspiel erneut.

Der Raum begrenzt das Spiel

Spiel, Raum und Schriften – das sind die Dinge, mit denen sich Detlef Hartung und Georg Trenz intensiv beschäftigen. Spiel steht bei den beiden Männern aus Süddeutschland für Kreativität und Fantasie. Der Raum grenzt das Spiel ein. Bei den LichtRouten sind es die beiden Fassaden des Allen-Hauses.

Es steht eben nicht eben ein grenzenloser Spielraum zur Verfügung. Den Platz, den ihnen der weiße Würfel bietet, nutzen die beiden Lichtkünstler perfekt. Der Spielraum als Freiraum und Toleranz liegt ihrer Idee zugrunde. Das Spielerische wird dabei zum Leitmotiv ihres Animationskonzeptes.

Isabel macht das schon

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Kuratorin Bettina Pelz im Gespräch mit Isabel Schwagereit. Foto: Elke Teipel

von Elke Teipel

Licht und Schatten – das Team der LichtRouten, dem Internationalen Forum für Licht in Kunst und Design (noch bis zum 6. Oktober) lebt und arbeitet für und mit den Projektionen der zwanzig Künstlerinnen und Künstler in der Bergstadt. Auf einmal wird es stocke duster. Alarm in Sachen Kommunikation. Es ist ein Internationales Forum. Das Lüdenscheider „Woll“ reicht da mal nicht. Und dann kommt zwei Tage vor dem Start die Absage.

Erstmal Sprachlosigkeit

Das sorgt erstmal für Sprachlosigkeit. Die Dolmetscherin, zuständig für Verständigung beim gemeinsamen Termin von Internationaler Presse, den Künstlerinnen und Künstlern und den Promis, kann nicht kommen. Schwarzsehen gilt nicht. Ein Notruf an den Niederrhein hat Erfolg. Isabel Schwagereit springt ein. Die Übersetzerin aus Velbert sagt spontan zu. Sie freut sich und ist neugierig auf den Ausflug zu den LichtRouten. Die Diplom-Dolmetscherin ist Expertin auf dem Gebiet der Technik. Doch Licht und Lichtkunst, das ist eher Neuland. „Das ist mal etwas ganz, ganz anderes“, sagt sie.

Keine graue Maus

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Isabel Schwagereit bei der Arbeit. Foto: Elke Teipel

Als Übersetzerin, so Isabel Schwagereit, fühle sie sich oft als graue Maus im Hintergrund. Im Rampenlicht stehen andere. Konzentriert und souverän vermittelt die Frau aus Velbert in Lüdenscheid zwischen den Gesprächspartnern aus dem In- und Ausland. Die Botschaften kommen an. Wer will uns was womit sagen? Dreh- und Angelpunkt – die Frau im Hintergrund. Und die Premiere gelingt. Isabel Schwagereit freut sich. Von den LichtRouten hatte sie bis zum Anruf aus der Stadt des Lichts noch nichts gehört. Jetzt ist sie begeistert und kündigt an: „Wir kommen“. Wir, das ist ihre Familie. Ihre beiden Söhne sind echte Technikfans. Die Phänomenta kennen sie bereits. Jetzt werden alle die LichtRouten erkunden.

Auf einmal mittendrin

Kuratorin Bettina Pelz findet das super. Sie erzählt Isabel Schwagereit von den Anfängen des Events vor zehn Jahren und den Highlights. Auf geht’s ins Café. Und wie es bei den LichtRouten eben so ist: Auf einmal ist man mittendrin, von wegen graue Maus im Hintergrund…

Für Kinder mit Begleitpersonen gibt es Sonderführungen am 28.09., 2.10., 4.10. und 5.10. von 19.30 bis ca. 20 Uhr mit Erläuterungen zu ausgewählten Installationen, die sich besonders für Kinder bis zu 12 Jahren eignen. Treffpunkt: Vor dem Postgebäude, Rathausplatz 1, kostenfrei und ohne Voranmeldung. Mehr zu Terminen bei den Lichtrouten finden Sie hier.