Tag Archiv für Tom Groll

Feuerwerk bei Tag und Nacht

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Otto Pienes Feuerwerk für Celle bei Nacht. Foto: @Julia Otto

von Wolfgang Teipel

Ein 85-Jähriger kann nicht mehr auf allen Hochzeiten tanzen. Dass Otto Piene, der in den USA lebt, nicht persönlich zu den LichtRouten 2013 erscheinen würde, war den Kuratoren schon länger klar. Dass er seine Beteiligung komplett abgesagt hat, bedauern die Kuratoren Bettina Pelz und Tom Groll bei allem Verständnis für diese Entscheidung.

Feuerwerk für Celle

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Otto Pienes Feuerwerk für Celle am Tag. Foto: @Julia Otto

Interessenten können aber bei einem Besuch des Kunstmuseums Celle mit der Sammlung Robert Simon die Lücke schließen, die Pienes Absage bei den LichtRouten 2013 hinterlassen hat. Einer der Glanzpunkte in diesem Museum ist nämlich der von Otto Piene speziell für Celle errichteten „Lichtraum“.

Der Mann aus Bad Laasphe, der in den 1960er Jahren mit seinen Aktionen für Aufsehen sorgte, gestaltete auch den Lichtfries „Zone Zero“ und das monumentale Skulpturenpaar „Feuerwerk für Celle“. Pienes Kreationen gehören neben Arbeiten von Brigitte Kowanz, Klaus Geldmacher, Francesco Mariotti, Vollrad Kutscher (in diesem Jahr bei den Lüdenscheider LichtRouten) und Leonardo Mosso zu den Höhepunkten des nächtlichen Lichtparcours im Außenbereich des Museums.

Einzigartiges Konzept

Die Einrichtung in Celle nennt sich selbst das erste 24-Stunden-Kunstmuseum der Welt. Das einzigartige Museumskonzept ist beim Deutschen Marken- und Patentamt in München registriert (Nr. 39854828).

Morgens, mittags, abends und nachts bietet das Kunstmuseum Celle (www.kunst.celle.de) Begegnungen mit moderner und zeitgenössischer Kunst aus der Sammlung von Robert Simon und wechselnde Sonderausstellungen.

Robert Simon (Jahrgang 1946) arbeitete seit dem 26. Lebensjahr in Führungspositionen der deutschen Wirtschaft. 1998 initiierte er in Celle das einzigartige Museumskonzept. Der Hannoveraner Galerist und Kunstsammler engagiert sich als ehrenamtlicher Leiter des Kunstmuseums.

Otto Piene zählt zu den Vorreitern der Lichtkunst. Sein Werk besitzt drei bekannte Eckpunkte: Die Feuerbilder, die Lichtballette und die Himmelskunst (Sky Art). Zu den bekanntesten Werken seiner Sky Art zählt der 700 Meter Meter lange „Olympia-Regenbogen“, der sich am 11. September 1972 über den See des Münchener Olympia-Geländes spannte.

Hochspannung am Wiedenhof

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Die Kuratoren Bettina Pelz und Tom Groll freuen sich über die Unterstützung durch das Team vom Wiedenhof: Alexander Schmidt, Kara Kempkens, Arne Schulz und Franz Hochschuh beteiligen sich an der Vorbereitung der LichtRouten 2013 am Standort Wiedenhof. Foto Wolfgang Teipel

 

von Wolfgang Teipel

Die Neugier beim Leitungsteam des Wiedenhofs ist groß. Was wird die Zusammenarbeit mit den LichtRouten 2013 und im speziellen mit dem polnischen Lichtkünstler Robert Sochacki dem Domizil des Freien Christlichen Jugendgemeinschaft (FCJG) bescheren? „Wir haben unsere Werte“, sagt Einrichtungsleiter Arne Schulz. Dämonenfratzen oder Ähnliches – das geht nicht. Ob Robert Sochacki in Lüdenscheid tatsächlich ausschließlich Gottgefälliges zeigen wird?  Bettina Pelz und Tom Groll, die beiden Kuratoren des großen Lichtkunstforums vom 27. September bis 6. Oktober, müssen die FCJG-Leute noch um Geduld bitten. „Wir wissen es selbst noch nicht.“

Pinup-Girls und Kunst

Robert Sochacki ist allerdings nicht dafür bekannt, dass er die Werte anderer missachtet, auch wenn das ein oder andere Mal ein leicht bekleidetes Pinup-Girl in seinen Installationen erscheint. Den Mail-Kontakt zwischen dem Wiedenhof-Team und dem polnischen Künstler will Bettina Pelz aber gern herstellen. Arne Schulz und seine Leute wollen auf Nummer sicher gehen. Schließlich wird der Mann aus Danzig die komplette Fassade des soeben renovierten Gebäudes bespielen.

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Robert Sochacki bespielt die Fassade des Wiedenhofs.

 

An der Bahnhofstraße kommt während der LichtRouten 2013 durchaus Historisches zusammen. Die Geschichte des Wiedenhofs ist eng mit der Historie Lüdenscheids verknüpft. Sie reicht bis in 9. oder 10. Jahrhundert zurück. 1067 wurde der Pfarrgrund Wiedenhof erstmals urkundlich erwähnt. Er diente als wirtschaftliche Grundlage für die Pfarrei, die ohne ihn nicht existieren konnte. Unter anderem wurden Obst und Gemüse angebaut. Einen starken historischen Bezug haben auch die Arbeiten von Robert Sochacki.

Videoperformances, Installationen und Interventionen, Kostüm- und Bühnenbilder sind Teil seiner vielfältigen künstlerischen Praxis. Seine Installationen erinnern an Kinofilme aus den 1920er Jahren. „Robert Sochacki nutzt eine sehr zeitgemäße Technik und greift in seinen Arbeiten eine historische Ästhetik auf“, sagt Kuratorin Bettina Pelz.  Als Projektionsgrund nutzt er gern historische Fassaden.

Volksküche, Lazarett und Hospiz

Vor diesem Hintergrund wird klar: Robert Sochacki und der Wiedenhof – das passt. So, wie sich die Lichtkunst vom gemalten Bild über das Foto sowie den Film bis zum Video immer weiter entwickelt hat, so hat sich auch der Wiedenhof ständig gewandelt. Am Standort des ehemaligen Pfarrgrunds wurde im August 1889 ein evangelisches Vereinshaus eröffnet. Es diente außerdem als Herberge. Außerdem befand sich eine Volksküche im Haus. 1909 ging das Haus direkt in den Besitz der evangelischen Gemeinde über.

Während des Ersten Weltkrieges diente der Wiedenhof drei  Jahre lang als Lazarett. 1937 wurde im ehemaligen Vereinshaus ein Christliches Hospiz (preiswerte Unterkunft) mit Gaststätten- und Hotelbetrieb eingerichtet. 1938 erhielt das Hospiz vom Presbyterium offiziell den Namen “Wiedenhof” um die alte Bezeichnung des Ortes zu erhalten. Das Hospiz wurde bis zum Jahr 1975 geführt. 1977 wurde das Gebäude der Freien Christlichen Jugendgemeinschaft für die Rehabilitationsarbeit mit Drogenabhängigen überlassen und später verkauft.

Kampf gegen Drogen

Seitdem wurden fortlaufend Sanierungsmaßnahmen durchgeführt, zuletzt am Dach und der Fassade. Derzeit sind in der Einrichtung 22 Therapieplätze belegt. Im Laufe der 30-jährigen Therapiearbeit haben über 1000 Klienten die Drogenrehabilitation des Wiedenhofs durchlaufen.

Auch die Polizei macht mit

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Diese Installation von Robert Sochacki war 2009 bei einer Ausstellung in Danzig zu sehen. Foto: Jennifer Braun

Lüdenscheid öffnet sich für die LichtRouten 2013. „Aus dieser Haltung von Privatleuten und Institutionen schöpfen wir jede Menge Kraft für das Projekt“, sagt Groll. Sogar die Polizei räumt für die Dauer des Internationalen Forums für Licht in Kunst und Design vom 27. September bis 6. Oktober eine ihrer Stellflächen frei.

Auf dem Gelände der Inspektion 2 an der Bahnhofstraße wird ein Gerüst aufgestellt. Es nimmt die Hochleistungsprojektoren auf, mit denen Robert Sochacki seinen Beitrag zu den LichtRouten auf die Fassade des Wiedenhofs projizieren wird. Mehr noch: Damit das Werk des Mannes aus Danzig so richtig zur Geltung kommt, darf der Wiedenhof selbst kein Licht abstrahlen.

Licht kann auch stören

So verhandeln Tom Groll und das Leitungsteam des Wiedenhofs darüber, wie Fenster abgedunkelt und störendes Licht weitgehend vermieden werden können. Um die „Kunst der Projektion“, so das Motto der diesjährigen LichtRouten, wirkungsvoll umsetzen zu können, bedarf es eben auch jeder Menge Verhandlungsgeschick.

Was Robert Sochacki im Gepäck haben wird, wenn er aus Polen zu den LichtRouten anreist, ist noch offen. Sicher ist: „Es werden eindrucksvolle Bilder sein, die einen Bogen über 100 Jahre visueller Ästhetik schlagen“, sagt Kuratorin Bettina Pelz.

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Der Mann aus Danzig: Robert Sochacki.

Robert Sochacki zählt zu den wenigen Lichtkünstlern, die mit Großbildtechnik arbeiten. Drei Hochleistungsprojektoren werden vom Polizeigelände über 18 mal 18 Zentimeter große Dias die Fassade des Wiedenhofs bespielen. Dazu kommen bewegte Bilder. Robert Sochacki knüpft an die Filme wie Charlie Chaplins „Moderne Zeiten“ an. „Moderne Zeiten“ sei die Geschichte der Industrie, des privaten Unternehmertums, der Kreuzigung der Menschheit auf ihrer Jagd nach dem Glück“, sagte Chaplin einmal über seinen Film.

Tragisch-komische Bilder

Auch Sochackis Projektionen sind tragisch-komische Bilder, die mit einfachen Mitteln, Bildwitz und Humor gestaltet sind.  Stark geprägt ist er von der DJ- und VJ-Szene im Raum Danzig. Hier ist der 1971 geborene Künstler nach wie vor aktiv. Robert Sochacki besuchte von 1991 bis 1996 die Akademie der Bildenden Künste in seiner Heimatstadt. 2011 stellt er beim Farbfest im Bauhaus Dessau aus. Über die Grenzen Polens hinaus ist er bislang eher selten in Erscheinung getreten.

„Wir sind Beziehungsstifter“

Von Florian Hesse

„Wir sind Beziehungsstifter.“ Fragt man Bettina Pelz und Tom Groll danach, was sie als Kuratoren denn eigentlich machen, kann man sich auf unterhaltsame Stunden in dem Café in der Oberstadt einstellen.

Bettina Pelz

Bettina Pelz.
Foto: Florian Hesse

Denn der Kurator ist vom Wortlaut her ein sich Kümmernder, ein Sorgender. Und weil sich das ungleiche Duo nun etwa seit dem Jahr 2000 um die LichtRouten kümmert, das Lichtevent eigentlich erfunden und auch die eigene Lebensplanung daran weiterentwickelt hat, gibt es viel zu erzählen. „Lüdenscheid 2002“, sagt Bettina Pelz, „war ein Schlüsselerlebnis.“

Eigentlich hatte sie Philosophie und Sozialpädagogik studiert und danach soziokulturelle Zentren geleitet. Seit den ersten Lichtrouten kuratiert (kein Scherz, das Wort gibt’s wirklich) sie hauptberuflich und überall auf der Welt. Für Tom Groll, ehemaliger MKK-Stipendiat für Bildende Kunst, gebürtig und wieder ansässig in Herscheid mit Atelier in Lüdenscheid, ist die Tätigkeit als Kurator neben dem künstlerischen Schaffen das zweite Standbein.

„Ich kann Konzepte. Tom kann Kunst beurteilen“, fasst Bettina Pelz die grobe Arbeitsteilung zusammen. Im Übrigen sind beide 49 Jahre alt und ziemlich verschieden. So wirkt Bettina Pelz ohne Laptop etwas unvollständig. Für Tom Groll scheint bereits eine Facebook-Präsenz bestenfalls notwendiges Übel.

Tom Groll

Tom Groll. Foto: Florian Hesse

Trotzdem, und damit zurück zur Ausgangsfrage, haben sich die beiden auch über das Lüdenscheider Ereignis hinaus als schlagkräftiges Team gefunden. Die LichtRouten sind dabei das Heimspiel, denn hier kennen sie das Umfeld, die Stadt, die Akteure. Ganz anders als in festivalgestählten Städten wie Eindhoven oder anderen, sind die Aufgabenfelder hier offener.

Auf dem Weg von der Konzeptidee – in diesem Jahr 100 Jahre Projektion – bis zur Umsetzung wird häufig und zum Teil bis zur letzten Minute improvisiert; undenkbar ohne die Lüdenscheider Stadtmarketing GmbH (LSM) als Veranstalter, aber eben auch als Türöffner und ständiger Unterstützer. Wo ist Raum für den Info-Point, wo brauche ich noch welche Genehmigung, welche technischen Möglichkeiten sind vorhanden oder müssen geschaffen werden? Bei all dieser Rückendeckung durch die LSM genießen die Kuratoren die Freiheit, die sie für die Vereinbarungen mit den Künstlern brauchen. „Wenn das Konzept steht, redet uns niemand mehr hinein.“ Das sei andernorts nicht selbstverständlich.

„Wir müssen Orte für die Installationen finden, sie technisch und von ihrer Bedeutung für die Stadt beurteilen“, so Bettina Pelz. Doch dann gehe es auch darum, diese Arbeiten untereinander in eine Beziehung zu setzen: „Welcher Künstler könnte an welcher Stelle passen?“, sei einer der weiteren Fragen bis zur öffentlichen Sichtbarkeit ab dem 27. September im Umfeld von Bahnhofsareal und Innenstadt. Diesen Prozess werden die erwarteten bis zu 40000 Besucher allerdings nicht zu sehen bekommen. „Nachher sieht alles so aus, als wenn es genau so gewollt war“, sagt Tom Groll. Bettina Pelz: „Wir machen als Kuratoren die Qualitätskontrolle. Wir sorgen dafür, dass es läuft. Und dass es gut wird.“

Gerade in der Endphase vor dem Lichtfestival scheint das ein abwechslungsreicher und zeitintensiver Job zu sein. Geschlafen wird wenig. „Tom, you are looking like an alien“, musste sich Tom Groll bei einem Empfang von einer befreundeten Künstlerin aufziehen lassen. Doch das nehmen die Kuratoren in Kauf für die Gelegenheit, „das in Deutschland vielleicht beste Lichtkunstfestival zu machen“. Oder, vielleicht der schönste Satz im Café-Gespräch: „Aus dem Nichts einen Moment in der Stadt zu schaffen, an dem alles anders ist.“

Aktuelles wie immer auf der offiziellen Facebook-Seite der LichtRouten 2013

Keine Beteiligung von Otto Piene

Otto Piene
Am Donnerstag Abend hat Otto Piene die Beteiligung an den LichtRouten durch sein Team absagen lassen. Mit 85 Jahren ließen sich nicht mehr alle Vorhaben und Ausstellungsprojekte umsetzen. Die Kuratoren der LichtRouten, Bettina Pelz und Tom Groll, sind enttäuscht und zeigen zugleich Verständnis: „Wir hätten Otto Piene sehr gerne dabei gehabt, aber wir verstehen auch, dass nicht immer alles möglich ist.“
Bettina Pelz: „Viele von uns kennen Otto Pienes Arbeiten über die letzten 40 Jahre und wir wollen mit dem diesjährigen Ausstellungskonzept zeigen, wie sich die Projektion als Technik in der zeitgenössischen Kunst über das letzte Jahrhundert ausdifferenziert hat.“ Schwerpunkt der LichtRouten aber bleiben zeitgenössische Positionen und neue ortsbezogene Arbeiten wie sie von Refik Anadol, Cuppetelli und Mendoza, Hartung und Trenz, Klaus Obermaier oder Amy Youngs, die gegenwärtig Maßstäbe für den Umgang mit Licht als Material und Medium in der Kunst setzen.
„Die Arbeit von Otto Piene war ein „Add on“ zu den diesjährigen LichtRouten, auf das wir jetzt leider verzichten müssen“, kommentiert Jörg Marré, Geschäftsführer des Lüdenscheider Stadtmarketings.

Reif fürs Museum

Dr. Susanne Conzen

Dr. Susanne Conzen, die neue Leiterin der städtischen Galerie, präsentiert das offizielle Plakat zu den LichtRouten 2013. Foto: Wolfgang Teipel

von Wolfgang Teipel

Reif fürs Museum? Ganz sicher. Lichtkunst hat im Laufe der vergangenen 50 Jahre einen Stellenwert erreicht, der ihr längst Plätze in Museen rund um den Globus sichert. Das Städtische Museum Lüdenscheid und die LichtRouten 2013 passen also auch ohne Fragezeichen gut zueinander. In diesem Jahr ist die Verbindung besonders eng. LichtRouten-Kuratorin Bettina Pelz wird am Samstag, 28. September, in einem Künstlergespräch und am Samstag, 5. Oktober, bei einem Vortrag die Bedeutung von Licht in Kunst, Architektur und Design ausleuchten.

Dazu kommt an allen Öffnungstagen des Museums am Sauerfeld ein dauerhafter Rückblick auf zehn Jahre LichtRouten. Er bietet Interessenten eine Rückschau auf alle Künstler und Installationen, die bislang beim großen Festival des Lichts in Lüdenscheid zu sehen waren. Für Kuratorin Bettina Pelz bedeuten die Vorträge und die Retrospektive Experiment und Wagnis zugleich: „Historische Werke im Rahmen einer zeitgenössischen Schau zu zeigen – das gab’s bisher noch nicht.“ Die LichtRouten könnten sich aber erneut durchaus als Vorbild erweisen. Schließlich hat die Arbeit der beiden Kuratoren Bettina Pelz und Tom Groll bereits anderen Ausstellungen ihren Stempel  aufgedrückt.

Dr. Susanne Conzen leitet seit April 2013 die städtische Galerie. Sie freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem LichtRouten-Team. „Wir hätten es bedauert, wenn wir nicht angesprochen worden wären.“ Von der Kooperation profitieren die LichtRouten und die Einrichtung am Sauerfeld gleichermaßen. „Wir bekommen Veranstaltungen geliefert, die das Haus ins Gespräch bringen“, sagt Dr. Susanne Conzen. Die LichtRouten setzen ihr Ziel um, sich mit möglichst vielen Kultureinrichtungen in Lüdenscheid zu verknüpfen.

Darüber hinaus kann die städtische Galerie einen eigenen Beitrag zur Historie der Lichtkunst liefern. Im Raum „Licht und Bewegung“ sind Objekte zu sehen, die seit den 1960er Jahren angekauft worden sind. Federführend dabei war Uwe Obier, der ehemalige Leiter der Galerie. Dazu Kurator Tom Groll: „Er hatte einen Blick für solche Dinge.“

Das Künstlergespräch am 28. September wird für die Teilnehmer zu einem kleinen Abenteuer. Bettina Pelz wird es in englischer Sprache moderieren. „Anders ist der Gedankenaustausch mit den Teilnehmern aus aller Welt nicht zu bewerkstelligen“, sagt sie. Das könne auf der einen Seite eine kleine Hürde sein. Auf der anderen Seite unterstreiche das den internationalen Charakter, den die LichtRouten inzwischen entwickelt hätten.

28. September, 18 Uhr: Fifty Years after Documenta III – Light and Movements in the Arts, Künstlergespräch moderiert von Kuratorin Bettina Pelz in den Museen der Stadt Lüdenscheid (in englischer Sprache);
Adresse: Sauerfelder Straße 14-20
Info: Museen der Stadt oder Telefon +49.2351.171496
Im Anschluss findet eine Führung unter der Leitung von
Kuratorin Bettina Pelz in englischer Sprache statt.
5. Oktober, 18 Uhr: Die Kunst der Projektion – Hundert Jahre Licht in Kunst, Design und Architektur
Vortrag moderiert von Kuratorin Bettina Pelz in den Museen der Stadt Lüdenscheid
Adresse: Sauerfelder Straße 14-20
Info: Museen der Stadt oder Telefon +49.2351.171496
Auf den Vortrag folgt eine öffentliche Führung der Kuratorin Bettina Pelz. Start ist an der Städtischen Galerie startet.

Galerie aus Licht in der Phänomenta

Kutscher

Vollrad Kutscher zeigt in der Phänomenta „Leuchtende Vorbilder der Elektrizität“.

von Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Neue Partnerschaft bei den Lüdenscheider LichtRouten 2013: Erstmals in der Geschichte des internationalen Forums für Licht in Kunst und Design zählt das Wissenschaftszentrum „Phänomenta“ zu den Ausstellungsorten.

Bettina Pelz und Tom Groll, die künstlerischen Leiter der LichtRouten 2013, präsentieren hier die „Leuchtenden Vorbilder der Elektrizität“ des Frankfurter Künstlers Vollrad Kutscher. Kutschers Installation setzt das diesjährige Thema der LichtRouten buchstäblich um. Bei seinen „Leuchtenden Vorbildern“ handelt es sich um Schattenporträts, die von winzigen Lichtquellen auf die Wand geworfen werden. Hierbei wird ein Glaskörper über einem Halogenleuchtmittel angebracht. Auf diesem Glaskörper erkennt man handgemalte Miniaturporträts aus eingebrannter Glasfarbe. Das Schattenporträt entsteht, indem das von der Halogenlampe angestrahlte Bildnis seinen dunklen Umriss auf die Wand wirft. So entsteht in der Phänomenta eine „Galerie aus Licht“.

Gleichzeitig dokumentieren die Porträts Persönlichkeiten aus der Geschichte der Elektrizität, die solche Projektionen erst möglich gemacht haben. Welcher Standort wäre dafür besser geeignet, als das interaktive Museum, in dem Technik und Physik ein Erlebnis zum Anfassen wird. So trifft Kunst auf Wissenschaft. Vollrad Kutscher belegt, dass sich beides nicht ausschließt, sondern sich gegenseitig bedingt.

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Technik und Physik zum Anfassen – das bietet die Phänomenta. Foto: Phänomenta

Projektionen weisen nach vorn und so zielt das LichtRouten-Thema „Die Kunst der Projektion“  klar auf die Lüdenscheider Zukunft. Die Phänomenta  selbst ist ein gutes Beispiel. Sie wird erweitert. Dazu liegt sie in einem Quartier, das sich mit dem Neubau des Bahnhofs, der Ansiedlung der Fachhochschule oder dem Neubau des Deutschen Instituts für angewandte Lichttechnik (DIAL) in den vergangenen zehn Jahren stark verändert hat.

Das Wissenschaftszentrum an der Gustav-Adolf-Straße 9 – 11 hat seinen Betrieb 1996 aufgenommen. Inzwischen zieht es jährlich rund 80.000 Besucher an. Kinder, Jugendliche und Erwachsene erfahren hier bei Experimenten und an Mitmach-Stationen die Welt der Naturwissenschaften. Während der LichtRouten 2013 können sich Besucher auch abends außerhalb der üblichen Öffnungszeiten Einblicke in Teile der Phänomenta-Ausstellung verschaffen.

 

Träger der PHÄNOMENTA ist eine gemeinnützige Stiftung. Zweck der Stiftung ist die Förderung der Wissenschaft und Bildung durch die Popularisierung der Naturwissenschaften – insbesondere der Physik  und Technik. Der PHÄNOMENTA gelingt es, ohne öffentliche Fördermittel mit den erwirtschafteten Einnahmen die laufenden Kosten des Betriebes zu decken. Das gilt auf diesem Sektor als nahezu einzigartig.

Unverhofft kommt oft

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Die Damroschhalle an der Bahnhofsallee ist dem Verfall preisgegeben. Foto: Wolfgang Teipel

von Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. „Ich hoffe, dass hier keiner mit dem Feudel durchgeht.“ Lichtkünstler Max Sudhues mag das Gerümpel in der abbruchreifen Damrosch-Halle. Das verlassene Gebäude der ehemaligen Holzhandlung an der Bahnhofsallee soll bis zum Start der LichtRouten 2013 am 27. September möglichst unverändert bleiben. Genau so will er es mit seiner Installation „Playground Love“ wiederbeleben. Eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht. Zwar ist das gesamte ehemalige Damrosch-Areal mit einem hohen Metallzaun umgeben. Findige Sprayer haben dennoch einen Weg in die Halle gefunden und eine Wand mit Graffiti versehen. „Nicht schlecht“, schmunzelt der 36-Jährige mit dem auffälligen Hut auf dem Kopf. Jetzt muss er mit dem Werk der unbekannten Sprayer leben. Eigentlich wollte er die Wand als Projektionsfläche benutzen. Was sonst noch bis zur Eröffnung der LichtRouten passiert? Kann durchaus sein, dass andere die Pläne von Max Sudhues und dem LichtRouten-Team noch einmal unverhofft durchkreuzen.

Der Meisterschüler von Timm Ulrichs hat eine klare Vorstellung davon, was er dem LichtRouten-Publikum präsentieren möchte. Er zeigt eine Überschneidung von Kunst und Wirklichkeit. „Die riesige Halle bietet dabei ganz andere Möglichkeit als begrenzte Ausstellungsflächen in einem Museum oder einer Galerie“, sagt er. Er will, dass die Besucher den Verfall an der Bahnhofsallee mit anderen Augen sehen. Die zerfetzte Plane, die bei seinem Besuch im Wind flatterte, verwandelt sich bei den LichtRouten 2013 zum  wechselhaften Spiel aus Licht und Schatten. So wird sie Teil eines fantasievollen Parcours. Max Sudhues, 1977 in Münster geboren, lebt und arbeitet in Berlin. Sein Werdegang:

1997-1999 Studium der Philosophie, Humboldt Universität, Berlin

1997-1999 Hospitanz in der Volksbühne, Berlin und bei der Jost Hering Filmproduktion, Berlin

1999-2005 Studium der Freien Kunst bei den Professoren Paul Isenrath, Guillaume Bijl, Meisterschüler bei Prof. Timm Ulrichs, Kunstakademie Münster

2002-2003  Städelschule Frankfurt, Gastsemester bei Thomas Bayrle

2006-2007 Postgraduate Studies an der HISK, Hoger Instituut voor Schone Kunsten, Antwerpen und Gent

Zahlreiche Preise und Stipendien begleiten seine Laufbahn. Darunter der „Tim und Struppi“-Preis von Professor Timm Ulrichs. „Mit dem bekannten Comic hat diese Auszeichnung allerdings wenig zu tun“, lacht Max Sudhues. Die Bezeichnung stammt von Timm Ulrichs, der diesen Preis besonders förderungswürdigen Studenten zukommen ließ.

Die LichtRouten werden vom 27. September bis zum 6. Oktober täglich von 19.30 Uhr bis 24.00 Uhr an den Freitagen und Samstagen sowie am Mittwoch, den 2.10.2013, an allen anderen Tagen bis 23.00 Uhr geöffnet sein. Der Eintritt ist frei.

 

Lüdenscheid leuchtet

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Diese Installation aus dem Jahr 2002 stammt von Bettina Pelz und Tom Groll, den Kuratoren der LichtRouten 2013. Foto: Claus Langer

von Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Faszination Licht – sehen wir einen Regenbogen, werden wir Zeuge, wie Licht in seine Spektralfarben zerlegt wird. Schauen wir durch Brillengläser, nutzen wir die Lichtbrechung an Linsen. Sitzen wir vor dem Fernseher, vermitteln uns winzige Bildpunkte durch ihr Leuchten ein Bild. Die atemberaubende Lasershow ist möglich, weil Menschen in der Lage sind, Licht zu bändigen und zu bündeln. Wissenschaftler können das Licht inzwischen sogar für eine kurze Zeit anhalten. Wie nutzen Künstler das Licht? Das zeigen die LichtRouten Lüdenscheid 2013 von 27. September bis 6. Oktober. Die LichtRouten 2013 sind die inzwischen siebte Auflage des Internationalen Forums für Licht in Kunst und Design, kuratiert von Bettina Pelz und Tom Groll.

In der Sprache hat Licht seit Jahrhunderten einen festen Platz.

Mit der Glühlampe ging vielen Menschen ein Licht auf.

Mit der Glühlampe ging vielen Menschen ein Licht auf.

Dem einen geht ein Licht auf. Der andere sieht Licht am Ende des Tunnels. Längst hat das Licht aber auch in andere Bereiche Einzug gehalten. Es erweist sich in Architektur, Design und Kunst als nahezu ruheloser  Werkstoff. Es glimmt, schimmert, leuchtet, strahlt, wärmt oder blendet. Im Spiel mit den verschiedenen Reflexionsoberflächen wie Staub, Nebel, Wasser, Stein und Landschaft zeigt es sich – funkelnd, blitzend, flackernd oder glänzend. Es streift, bildet Formen, zeichnet Räume und bebildert digitale Daten. Referenz für das Bildverständnis der Gegenwart ist nicht mehr das analoge, sondern das digitale Bild, das auf hinterleuchteten Bildschirmen oder als Projektion erscheint. Die LichtRouten 2013 zeigen wie vielfältig und ausdifferenziert die Idee des Lichtbildes heute ist. Als internationales Forum für Licht in Kunst, Design und Architektur gehören die LichtRouten zu den Festivals, die seit 2002 mit Installationen und Interventionen den öffentlichen Raum verändern. Zwanzig Installationen und Interventionen, die von dem Lichtbild einer Glühlampe bis zu digital animierten Architekturprojektionen reichen, werden realisiert. Darunter erstmals auch historische Lichtwerke, u.a. von László Moholy-Nagy, Nicolas Schöffer und Otto Piene.

Unter dem Titel „Die Kunst der Projektion“ haben Bettina Pelz und Tom Groll mit Arbeiten von Jürgen Albrecht, Refik Anadol, Atsara, Annica Cuppetelli und Cristobal Mendoza, Christoph Girardet, Hartung und Trenz, Joseph Holmes, Dieter Kiessling, Vollrad Kutscher, Jakob Mattner, László Moholy-Nagy, Klaus Obermaier, Otto Piene, Rainer Plum, Quayola, Diana Ramaekers, Nicolas Schöffer, Robert Sochacki, Max Sudhues und Amy Youngs einen Parcours entwickelt, der sich von der Innenstadt bis in das neue Bahnhofsquartier zieht.

Von den 20 Installationen sind zehn neu und ortsspezifisch, das heißt für den von den Bettina Pelz und Tom Groll sowie den Künstlerinnen und Künstlern ausgesuchten Ort entwickelt und nur in Lüdenscheid zu sehen.

Die LichtRouten werden vom 27. September bis zum 6. Oktober täglich von 19.30 Uhr bis 24.00 Uhr an den Freitagen und Samstagen sowie am Mittwoch, den 2.10.2013, an allen anderen Tagen bis 23.00 Uhr geöffnet sein. Der Eintritt ist frei.

 

Spielplatz für den Mann aus Berlin

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Schutt, Gerümpel und Verfall. Max Sudhues sieht die Damrosch-Halle mit anderen Augen. Das Publikum wird überrascht sein. Foto: Wolfgang Teipel

Von Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Ein riesiger, dazu noch überdachter Spielplatz für einen 36-Jährigen – LichtRouten-Kurator Tom Groll hat sein Versprechen gehalten. Er hat den Berliner Künstler Max Sudhues in einer Halle auf dem Bahnhofsgelände einquartiert. Das Gebäude gehörte lange zur Lüdenscheider Holzhandlung Damrosch, die jetzt in der Dönne residiert.

Max Sudhues ist begeistert. Er wird die Brache auf seine besondere Weise verwandeln. Vom 27. September bis zum 6. Oktober gehört sie ganz ihm und dem LichtRouten-Publikum. „Orte, die sich im Wandel befinden, begeistern mich“, sagte der gebürtige Münsteraner bei seinem jüngsten Besuch. Die Damrosch-Halle ist für ihn ein solcher Ort. Sie steht in einem Quartier, das sich im Umbruch befindet. Es ist der neue Standort des Deutschen Instituts für angewandte Lichttechnik (DIAL), ein Ableger der Fachhochschule Südwestfalen – in den vergangenen Jahren hat sich hier einiges getan.

Max Sudhues wird in diesem Quartier für zehn Tage neue Akzente setzen und die Damrosch-Halle auf seine Weise für das Publikum neu erfahrbar machen.

Als Künstler sieht er das abbruchreife Gebäude mit ganz anderen Augen. Er wird es auf besondere Weise ins Licht setzen. Das Material hat er sich schon besorgt: 120 Dias und einigen Filmsequenzen. Sie dokumentieren den aktuellen Stand des Verfalls der ehemaligen Holzhandlung. Ein vergessener gelber Schutzhelm, zurückgelassene Regale, Mülltüten, ein blaues Plastikteil, das wie eine Haifischflosse aus einem Schutthaufen ragt – das alles und mehr wird Max Sudhues für seine Installationen aus Licht und Schatten verwenden.

Orts- und raumbezogene Installationen sind die Spezialität des Meisterschülers von Timm Ulrichs. An der Kunstakademie in Münster holte er sich beim ihm das Rüstzeug für seine künstlerische Arbeit. Max Sudhues entwickelt seine Bilder mit verschiedenen Projektionsmethoden – von der Büroleuchte bis zum Beamer.

Dabei steht er ganz in der Tradition der Collage und kreiert  bewegte Bilder und Räume. In ihnen bleiben die ursprünglichen Objekte sichtbar, werden aber verblassend dargestellt. So sind eine Reihe von assoziativen Interpretationen möglich.

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Max Sudhues:

 

Ich versuche dies zu erreichen, indem ich banale und alltägliche Objekte durch Lichtprojektionen verwandle, um sie zu unerwarteten Proportionen und Interpretationen zu verändern. Jedes Objekt behält seine eigene Funktionalität innerhalb der Installation, aber es ist unveränderlich mit einer bizarren, erzählerischen und komplexen Fantasiewelt verbunden.

Die Arbeit mit Bauschutt, Gerümpel und seiner Kamera hat Max Sudhues bis in den späten Nachmittag in den Bann gezogen. Jetzt hat er erstmal Hunger. „Könnte ich vielleicht einen Pizza-Service kommen lassen?“ fragt er Tom Groll. „Eine kleine Magherita würde schon reichen.“ Kein Problem. Und bis der Imbiss eintrifft, arbeitet der 36-Jährige weiter an seinem derzeitigen Lieblingsprojekt. Er nennt es übrigens doppeldeutig „Playground-Love“ – Sandkastenliebe. Die Liebe zu seiner Kunst, die es ihm manchmal ermöglicht, sich wie auf einem riesigen Spielplatz auszutoben, sie wird ihn wohl nie loslassen.