Karim Jabbari bringt Schriftzeichen zum Leuchten

Ein Beispiel für die faszinierende Licht-Kalligraphie von Karim Jabbari. Bei den LichtRouten 2018 wird sie im Parkhaus Weststraße zu sehen sein.

 

Die Lüdenscheider LichtRouten 2018 rücken näher. Seit Monaten bereiten sich die beiden Kuratoren Bettina Pelz und Tom Groll mit einem Team von Assistenzen auf das Forum für Licht in Kunst, Design und Architektur vom 28. September bis 7. Oktober vor. 20 Künstler/innen aus Europa, den USA, Afrika und Lateinamerika, wie sie Licht in Zeichnung, Malerei, Photographie, Skulptur, Installation und Performance einsetzen.

Das 2002 initiierte Festival begeistert mit seinen Installationen und Interventionen im öffentlichen Raum immer wieder sowohl das Fachpublikum als auch eine breite Öffentlichkeit.

Im 750. Jahr der Stadtwerdung Lüdenscheids werden die LichtRouten mit Installationen und Interventionen in der Altstadt und an anderen Orten, die mit der Stadtgeschichte verbunden sind, an die Historie Lüdenscheids erinnern.

So vielfältig wie die Leuchtstoffe sind auch die künstlerischen Konzepte, mit denen sich die Künstler/innen in Lüdenscheid bewegen. Jede Arbeit hat einen eigenen Standort und mit dem dezentralen Ausstellungsprojekt entsteht ein Wegenetz durch die Innenstadt, dem die Besucher/innen während der LichtRouten nachgehen können. Von Rathaus bis Parkhaus, vom Kirchenschiff bis zum Wellenbad reicht die Palette der Orte, welche die Künstler/innen und Kuratoren ausgesucht haben. Jeden Abend werden öffentliche Führungen angeboten, zu denen speziell dafür ausgebildete Lüdenscheider Bürger/innen einladen.

Karim Jabbari – ein klangvoller Name

 

Karim Jabbari stammt aus Tunesien.

 

Karim Jabbari – das ist ein inzwischen klangvoller Name. Der 1978 in Tunesien geborene Jabbari gilt als einer der angesehensten Lichtkalligrafie-Künstler der Welt. Seine Inspiration ist die Liebe zu Buchstaben, zur arabischen Schrift und die Integration der arabischen Kalligrafie in seine Kunstwerke.

Sein schwieriger Weg begann, als er zwölf Jahre alt war. Informationen zu seiner persönlichen und zu seiner künstlerischen Biografie haben Doris Millinghaus und Antje Seltmann zusammengetragen. Sie gehören zum Assistenten-Team der LichtRouten 2018.

Inspiration durch alte Schriften

Warum hatte es Karim Jabbari zunächst so schwer? Sein Vater gehörte in Tunesien während Regimes von Diktator Ben Ali. Er verbrachte 14 Jahre seines Lebens im Gefängnis. In dieser Zeit suchte Karim eine geistige Verbindung zu seinem Vater und las sehr alte Schriften, geschrieben in sehr alten Schriftarten aus der Bibliothek seines Vaters.

Ein Beispiel für Karim Jabbaris Kalligraffiti.

 

Mit dem Nachmalen dieser Schriften war er sehr erfolgreich. Das verhalf ihm aus der gesellschaftlichen Isolation, in der sich seine Familie befand. Seine Mitschüler baten ihn immer, ihren Namen in Kalligraphie-Lettern zu schreiben. So fand er neue soziale Kontakte und entwickelte seine ganz besondere Kunst. Jabbari malt seine Zeichnungen und Kalligraphien mit Licht – ein Prozess den das Auge zwar verfolgen kann. Komplett sichtbar werden Karim Jabbaris Werke aber nicht auf langzeitbelichteten Fotos oder in Videos.

Mehrere Missionen und Ziele:

  1. Er möchte nicht im arabischen Raum geborene Araber und Muslime, mit seiner Kunst wieder näher zu ihrer ursprünglichen Identität und zur arabischen Sprache bringen.
  2. Er will zeigen, dass die arabische Kultur, die arabische Sprache und die arabisch/ islamische nicht die Geschichte von weltweitem Terror ist, sondern tiefer geht, als man oberflächlich denkt.
  3. Er möchte die „innere Zerstörung“ der Menschen nach dem arabischen Frühling aufbrechen: Durch Projekte will er die Beteiligten aufbauen, aufwerten, ihnen ihre Wertigkeit zeigen.

Durch seine „Light Calligraphy“ will er der arabischen Sprache eine neue Dimension geben und in Kommunikation treten:
„Light Calligraphy bringt dich mit ganz unterschiedlichen Leuten zusammen“. Sie kommen zu Dir, stehen um Dich herum, Du kannst mit Ihnen sprechen und diskutieren“, sagt Karim Jabbari.

Ein weiteres Statement des angesehenen Künstlers lautet: „Ich bin aus dem Nichts gekommen. Im Alter von zwölf Jahren war ich verantwortlich für meine Familie. All diese Verantwortung, dieses harte Leben, die Schwierigkeiten, die wir hatten, haben mich stärker gemacht. Ich musste hart arbeiten, ich musste Entscheidungen treffen. Heute gebe ich Workshops und lehre Geduld und Ausdauer. Wir üben die gleiche Struktur, immer und immer wieder.“

Was hat ihn nach vorn gebracht? „Entwickle etwas, dass einzigartig ist und wiederhole es und wiederhole es, bis die Leute dich erkennen mit dem dir eigenen Stil“, sagt er. Für Karim Jabbari sind Videos heutzutage die neue Schrift und neue Sprache.

Die LichtRouten 2018 finden vom 28. September bis 7. Oktober 2018 von 19.00 bis 24.00 Uhr statt.  Öffentliche Führungen gibt es täglich 19.30, 20.00, 20.30 und 21.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

 

 

 

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