Spielplatz für den Mann aus Berlin

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Schutt, Gerümpel und Verfall. Max Sudhues sieht die Damrosch-Halle mit anderen Augen. Das Publikum wird überrascht sein. Foto: Wolfgang Teipel

Von Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Ein riesiger, dazu noch überdachter Spielplatz für einen 36-Jährigen – LichtRouten-Kurator Tom Groll hat sein Versprechen gehalten. Er hat den Berliner Künstler Max Sudhues in einer Halle auf dem Bahnhofsgelände einquartiert. Das Gebäude gehörte lange zur Lüdenscheider Holzhandlung Damrosch, die jetzt in der Dönne residiert.

Max Sudhues ist begeistert. Er wird die Brache auf seine besondere Weise verwandeln. Vom 27. September bis zum 6. Oktober gehört sie ganz ihm und dem LichtRouten-Publikum. „Orte, die sich im Wandel befinden, begeistern mich“, sagte der gebürtige Münsteraner bei seinem jüngsten Besuch. Die Damrosch-Halle ist für ihn ein solcher Ort. Sie steht in einem Quartier, das sich im Umbruch befindet. Es ist der neue Standort des Deutschen Instituts für angewandte Lichttechnik (DIAL), ein Ableger der Fachhochschule Südwestfalen – in den vergangenen Jahren hat sich hier einiges getan.

Max Sudhues wird in diesem Quartier für zehn Tage neue Akzente setzen und die Damrosch-Halle auf seine Weise für das Publikum neu erfahrbar machen.

Als Künstler sieht er das abbruchreife Gebäude mit ganz anderen Augen. Er wird es auf besondere Weise ins Licht setzen. Das Material hat er sich schon besorgt: 120 Dias und einigen Filmsequenzen. Sie dokumentieren den aktuellen Stand des Verfalls der ehemaligen Holzhandlung. Ein vergessener gelber Schutzhelm, zurückgelassene Regale, Mülltüten, ein blaues Plastikteil, das wie eine Haifischflosse aus einem Schutthaufen ragt – das alles und mehr wird Max Sudhues für seine Installationen aus Licht und Schatten verwenden.

Orts- und raumbezogene Installationen sind die Spezialität des Meisterschülers von Timm Ulrichs. An der Kunstakademie in Münster holte er sich beim ihm das Rüstzeug für seine künstlerische Arbeit. Max Sudhues entwickelt seine Bilder mit verschiedenen Projektionsmethoden – von der Büroleuchte bis zum Beamer.

Dabei steht er ganz in der Tradition der Collage und kreiert  bewegte Bilder und Räume. In ihnen bleiben die ursprünglichen Objekte sichtbar, werden aber verblassend dargestellt. So sind eine Reihe von assoziativen Interpretationen möglich.

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Max Sudhues:

 

Ich versuche dies zu erreichen, indem ich banale und alltägliche Objekte durch Lichtprojektionen verwandle, um sie zu unerwarteten Proportionen und Interpretationen zu verändern. Jedes Objekt behält seine eigene Funktionalität innerhalb der Installation, aber es ist unveränderlich mit einer bizarren, erzählerischen und komplexen Fantasiewelt verbunden.

Die Arbeit mit Bauschutt, Gerümpel und seiner Kamera hat Max Sudhues bis in den späten Nachmittag in den Bann gezogen. Jetzt hat er erstmal Hunger. „Könnte ich vielleicht einen Pizza-Service kommen lassen?“ fragt er Tom Groll. „Eine kleine Magherita würde schon reichen.“ Kein Problem. Und bis der Imbiss eintrifft, arbeitet der 36-Jährige weiter an seinem derzeitigen Lieblingsprojekt. Er nennt es übrigens doppeldeutig „Playground-Love“ – Sandkastenliebe. Die Liebe zu seiner Kunst, die es ihm manchmal ermöglicht, sich wie auf einem riesigen Spielplatz auszutoben, sie wird ihn wohl nie loslassen.

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