Lichtgrenze ist das Wort des Jahres 2014

Lichtgrenze

Die Lichtgrenze, hier im Bereich des Checkpoint Charlie in Berlin. Foto: Kulturprojekte Berlin WHITEvoid Christopher Bauder/Foto Daniel Bueche

Das Wort des Jahres 2014 ist Lichtgrenze. Diese Entscheidung traf am Donnerstagabend eine Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS). Das Wort bezieht sich auf die Lichtinstallation zum Anlass der Feierlichkeiten »25 Jahre Mauerfall« in Berlin. Es spiegelt in besonderer Weise die großen Emotionen wider, die das Ende der DDR im Herbst 1989 auch 25 Jahre später noch in ganz Deutschland hervorruft, heißt es in einer Pressemitteilung der Gesellschaft für deutsche Sprache.

Lichtgrenze aus über 8000 leuchtenden Ballons

Über 8000 weiße, leuchtende Ballons erinnerten auf einer Länge von 15 Kilometern an den Verlauf der Berliner Mauer und die frühere Teilung der Stadt. Die filigrane Durchlässigkeit der Installation und das Aufsteigen der Ballons auf dem Höhepunkt der Feierlichkeiten symbolisierten beeindruckend die Auflösung und Aufhebung der einst in jeder Hinsicht dunklen Demarkationslinie.

Ursprünglich hatte die Jury das Wort Lichtgrenze gar nicht auf ihrer Liste. Erst in der Diskussion kam der Vorschlag auf, der dann aber für das gesamte Auswahlgremium so überzeugend war, dass er alle anderen Kandidaten für Platz 1 aus dem Rennen schlug.

Schwarze Null auf Platz 2

Auf Platz 2 wählte die Jury den Ausdruck schwarze Null. Er steht wie kein anderer für die Bemühungen der schwarz-roten Koalition um einen ausgeglichenen Haushalt. Erstmals seit über 45 Jahren will die Bundesregierung 2015 ohne neue Schulden auskommen – ein Ziel, dem fast alles andere untergeordnet wird, das aber politisch keineswegs unumstritten ist. Die Debatte um die schwarze Null prägte fast das gesamte Jahr 2014.

Mit der grammatisch genau genommen als Satz zu interpretierenden Wortprägung Götzseidank (Platz 3) würdigt die GfdS den deutschen Fußballweltmeistertitel, genauer gesagt: das Siegtor von Mario Götze gegen Argentinien in der 113. Minute des WM-Finales. Ursprünglich eine Titelzeile der Süddeutschen Zeitung, wurde die Neuschöpfung Götzseidank allenthalben aufgegriffen. Selbst ins Englische wurde sie sofort übersetzt: Praise be to Götze!

Mit dem 4. Platz, dem – als deutsches Fremdwort – ebenfalls bereits ins Englische entlehnten Russlandversteher, greift die GfdS die öffentliche Debatte auf, die in Deutschland nach der russischen Übernahme der Krim und dem von Russland beeinflussten ukrainischen Bürgerkrieg entstand. Das Wort bezieht sich auf die Position derer, die Verständnis für die russische Sicht der Dinge aufbringen und für eine Verständigung mit Russland plädieren. Ihnen gegenüber stehen diejenigen, die fordern, der als neoimperialistisch kritisierten russischen Politik entschieden zu begegnen.

Weitere Wörter des Jahres

Der juristisch gesehen legitime, in der Gesellschaft aber als völlig überzogen wahrgenommene Streik der deutschen Lokführer führte zu der häufig verwendeten Neubildung bahnsinnig – einem Wort, das die GfdS-Jury als sprachlich kreativ und als charakteristisch für das Jahr einschätzte und daher auf Platz 5 der Wörterliste wählte.

Folgende Wörter wurden von der GfdS-Jury ebenfalls platziert: Willkommenskultur, Social Freezing, Terror-Tourismus, Freistoßspra< und Generation Kopf unten.

Der Ausdruck kennzeichnet die Altersgruppe derer, die immerzu den Kopf gesenkt hält, weil sie sich auf ihr Smartphone konzentriert. Soziale Kompetenzen werden auf diese Weise immer mehr auf die virtuelle Ebene verlagert; eine unmittelbare Kommunikation findet vielfach kaum noch statt.

Die Wörter des Jahres 2014 wurden am 12. Dezember 2014 von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) bekannt gegeben. Wie in den vergangenen Jahren wählte die Jury, die sich aus dem Hauptvorstand sowie den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gesellschaft zusammensetzt, aus diesmal rund 2300 Belegen jene zehn Wörter und Wendungen, die den öffentlichen Diskurs des Jahres wesentlich geprägt und das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben sprachlich in besonderer Weise begleitet haben.

Nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks, sondern seine Signifikanz bzw. Popularität stehen bei der Wahl im Vordergrund: Auf diese Weise stellen die Wörter eine sprachliche Jahreschronik dar, ihre Auswahl ist dabei jedoch mit keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden.

 

 

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